Startseite>Seniorenbetreuung>Pflegenetzwerk: Familie, Freunde und Nachbarn

Auch wenn die Angehörigen oder Nachbarn nicht selbst pflegen, haben sie innerhalb des Netzwerks eine zentrale Funktion. Sie beschaffen Informationen, beratschlagen, was für den Angehörigen das Beste ist, treffen wichtige Entscheidungen und sind im Notfall zur Stelle. Je besser das Pflegenetzwerk funktioniert, desto höher ist die Qualität in der Seniorenbetreuung.

Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt: Ein Kind zu erziehen, braucht ein ganzes Dorf. Ähnliches gilt für die Pflege zu Hause. Kinder und Angehörige der Pflegebedürftigen sind aufgrund der Mehrfachbelastungen in Familie und Beruf oft maximal gefordert und am Rande ihrer Kräfte. Beziehen Sie deshalb möglichst viele Akteure in die Betreuung ein und verteilen Sie die Aufgaben auf mehrere Schultern! Es ist niemandem geholfen, wenn Sie sich permanent übernehmen oder selbst stressbedingt erkranken. 

Akteure im Netzwerk:

  • Familienmitglieder, Bekannte oder Nachbarn ergänzen Ihr Netzwerk sinnvoll. Jeder noch so kurze Besuch schenkt den Senioren Lebensqualität und entlastet Sie oder die Betreuungskraft
  • Gibt es Menschen, zu denen Ihrer Angehöriger früher intensiven Kontakt hatte? Fragen Sie bei diesen nach, ob sie etwas Zeit erübrigen wollen: Für einen regelmäßigen Spaziergang oder eine Tasse Kaffee.
  • Benennen Sie einen zentralen Ansprechpartner, der für die Betreuungskraft bei Nachfragen zur Verfügung steht. Diese Person hat idealerweise eine entsprechende Vollmacht, ist in kritischen Situationen handlungsfähig und koordiniert die Akteure im Netzwerk. Die osteuropäische Betreuungskraft darf keinesfalls mit der Verantwortung allein gelassen werden! 
  • Hat der Pflegebedürftige keine Kinder oder nähere Angehörige, muss eine andere Person als verantwortlicher Ansprechpartner bestimmt werden (z.B. Vertraute aus dem Freundeskreis oder falls nicht vorhanden eine gesetzliche Betreuung). 
  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihren Angehörigen über die rechtliche Vorsorge (Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung etc.). Es ist dabei sinnvoll, die Zuständigkeiten aufzuteilen. Dann kümmert sich z.B. eines der Kinder um die Gesundheit, ein anderes um die Finanzen von Vater und Mutter. 

Unterstützung für pflegende Angehörige:

Rechtliche Vorsorge

Vorsorgevollmacht: Selbst entscheiden, wer Sie vertritt

Ist eine Person wegen Unfall oder Krankheit nicht mehr geschäftsfähig, bestimmt das Betreuungsgericht einen Betreuer. Dieser Betreuer vertritt den Betreuten in allen rechtlichen Angelegenheiten. Um zu verhindern, dass ein fremder Richter über Ihre Belange entscheidet, sollten Sie einer oder mehreren Person Ihres Vertrauens eine Vorsorgevollmacht erteilen.

Da in einer Vorsorgevollmacht verschiedene Aufgabenbereiche (Gesundheit, Finanzen, Ort des Aufenthalts etc.) geregelt sind, ist es manchmal sinnvoll, mehrere Personen mit jeweils unterschiedlichen Teilbereichen zu beauftragen Dies verhindert Uneinigkeit bei relevanten Entscheidungen. 

Wichtig bei der Erteilung einer Vorsorgevollmacht:

  • Erteilen Sie Vorsorgevollmachten nur an Personen, denen Sie uneingeschränkt vertrauen. 
  • Eine notarielle Erstellung ist nicht zwingend notwendig, aber zu empfehlen. Eine Hinterlegung beim Notar schafft Klarheit und verhindert Diskussionen innerhalb der Familie.
  • Bankvollmachten sollten dringend zusätzlich abgeschlossen werden. Einige Banken akzeptieren Vorsorgevollmachten auch für finanzielle Transaktionen, andere verlangen eine separate Vollmacht.
  • Die Erreichbarkeit des Bevollmächtigten muss geklärt sein.
  • Schließen Sie Vorsorgevollmachten möglichst über den Tod hinaus. Ihre Angehörigen haben es dann leichter, Ihren Nachlass zu regeln.

Eine Vorlage zur Erstellung der Vollmacht finden Sie unter: Vorlage Vorsorgevollmacht des BMJV (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz).

Betreuungsverfügung: Doppelter Boden

Im Rahmen einer Betreuungsverfügung bestimmen Sie, wer Sie bei eintretender Geschäftsunfähigkeit in allen wichtigen Angelegenheiten vertreten solI. Im Gegensatz zum Vorsorge-Bevollmächtigten unterliegt der eingesetzte Betreuer der Kontrolle des Gerichts. 

Wenn Sie die Vorsorgevollmacht mit der Betreuungsverfügung kombinieren, haben Sie zusätzliche Sicherheit und schaffen einen doppelten Boden.

Eine Vorlage zur Erstellung einer Betreuungsverfügung finden Sie unter: Vorlage Betreuungsverfügung des BMJV.

Gesetzliche Betreuung

Gesetzliche Betreuungen werden notwendig, wenn ein Mensch seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann und Entscheidungen im eigenen Interesse nicht mehr möglich sind. Sie wird nur bestellt wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Das Betreuungsgericht versucht dann zunächst, Personen im direkten Umfeld des Betroffenen als Betreuer zu rekrutieren. Ist das nicht möglich, setzt das Gericht einen Berufsbetreuer ein. 

Zur Einrichtung einer gesetzlichen Betreuung kommt es auf jeden Fall, sobald freiheitsentziehende Maßnahmen (z.B. Anbringen eines Bettgitters, Fixierung im Bett etc.) oder die Unterbringung in beschützenden Situationen (Gerontopsychiatrie, spezielle Demenz-Stationen) erforderlich sind.

Ist der Berufsbetreuer für die Verwaltung des Vermögens zuständig, muss er dem Betreuungsgericht darüber Rechenschaft ablegen. Die Aufwände der gesetzlichen Betreuung (Entschädigung des Betreuers, Gerichtskosten) hat der Betreute in Teilen selbst zu begleichen.

Näheres zur gesetzlichen Betreuung: Erläuterungen des BMJV.

Patientenverfügung: Sicherheit für alle Beteiligten

Mit einer Patientenverfügung legen Sie vorsorglich fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie im Falle einer schweren Erkrankung wünschen. Sie ist eine deutliche Entlastung für Ihre Angehörigen, da diese Ihren Willen ansonsten “mutmaßlich” vertreten und Entscheidungen für oder gegen Behandlungen  Medizinern gegenüber legitimieren müssen. Gleichzeitig ist das Dokument ein wertvolles Instrument für Ärzte, pflegerisches Personal sowie Betreuer und gibt allen Beteiligten Sicherheit.

Wichtig bei der Erstellung einer Patientenverfügung:

  • Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen ausführlich über Ihre Wünsche. Die Vorsorgeplanung ist ein guter Zeitpunkt dafür. Nehmen Sie die Verfügung in regelmäßigen Abständen zur Hand und aktualisieren Sie die Inhalte entsprechend Ihrer aktuellen Lebensumstände.
  • Eine notarielle Erstellung und Hinterlegung schafft Klarheit und vermeidet Unstimmigkeiten zwischen den Angehörigen. 
  • Denken Sie daran: Mit einer Patientenverfügung geben Sie die Freiheit zur Entscheidung nicht ab! Das Dokument kann jederzeit geändert oder angepasst werden. 

Eine Vorlage/Textbausteine finden Sie unter: Vorlage Patientenverfügung des BMJV.