Aug. 26, 2021

Familie, Freunde und Nachbarn

Angehörigen, Freunde oder Nachbarn sind wichtiger Bestandteil des Pflegenetzwerks. Sie beschaffen Informationen, treffen Entscheidungen oder sind im Notfall zur Stelle. Ein gutes soziales Netzwerk steigert die Qualität der Seniorenbetreuung.
  • In Deutschland lebten Ende 2019 rund 4,1 Millionen Menschen , die pflegebedürftig waren.
  • Davon wurden 2,33 Millionen überwiegend von Angehörigen gepflegt .
  • Insgesamt gab es ca. 4,8 Millionen Menschen, die zu Hause jemanden pflegen.
  • Dabei müssen etwa 2,5 Millionen neben der kräftezehrenden Pflege noch arbeiten .
Pflegebedürftige Personen und pflegende Angehörige in Deutschland 2019

Auch wenn es beeindruckt, wie aufopferungsvoll Angehörige ihre Eltern pflegen, ist die Belastung oftmals nicht allein zu schaffen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Ein Kind zu erziehen, braucht ein ganzes Dorf. Ähnliches gilt für die Pflege zu Hause: verteilen Sie deshalb die Aufgaben auf viele Schultern!

Auch wenn Angehörige einzelnde Aufgaben abgeben sind sie dennoch der Dreh und Angelpunkt für die Organisation der Pflege: Sie beschaffen Informationen, beratschlagen, treffen Entscheidungen und sind im Notfall zur Stelle. Lassen Sie sich dabei helfen.

Unterstützer im Netzwerk

  • Familienmitglieder, Bekannte oder Nachbarn ergänzen Ihr Netzwerk sinnvoll. Jeder kurze Besuch schenkt den Senioren Lebensqualität und entlastet Sie oder Ihre Pflegerkaft aus Polen im Rahmen der sog. 24h-Pflege.

  • Benennen Sie einen zentralen Ansprechpartner, der für die Betreuungskraft bei Nachfragen zur Verfügung steht. Diese Person hat idealerweise eine entsprechende Vollmacht, ist in kritischen Situationen handlungsfähig und koordiniert die Akteure im Netzwerk. Die osteuropäische Betreuungskraft darf keinesfalls mit der Verantwortung allein gelassen werden!

  • Hat der Pflegebedürftige keine Kinder oder nähere Angehörige, sollte eine andere Person als verantwortlicher Ansprechpartner bestimmt werden wie etwa ein guter Freund oder nötigenfalls eine gesetzliche Betreuung.

  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihren Angehörigen über die rechtliche Vorsorge wie Vorsorgevollmacht, und Betreuungsverfügung. Es ist dabei sinnvoll, die Zuständigkeiten aufzuteilen. Dann kümmert sich z.B. eines der Kinder um die Gesundheit, ein anderes um die Finanzen von Vater und Mutter.

Wie unterstützen Angehörige?

Kinder, Enkel und Freunde sind die wichtigsten Bezugspartner und Ansprechpartner für Senioren. Sie unterstützen emotional stabilisieren die Psyche durch Besuche und entspannte Gespräche. Planen Sie dafür Zeit ein und verbinden Sie diese Gelegenheitenidealerweise nicht mit anderen Aufgaben. Nur so pflegen Sie eine liebevolle Beziehung und vermeiden Frust und Stress.

Daneben können Verwandte und Freunde Arzttermine vereinbaren, Einkäufe erledigen, beim Hausputz unterstützen oder Medikamente besorgen. Vor allem aber im Bereich der Organisation ist die Familie gefragt: Verschlechtert sich der Gesundheitszustand sammeln sie Informationen und bereiten wichtige nächste Schritte vor.

In diesem Moment wird die Familie zur entscheidenden Instanz und koordiniert Aufgaben sowohl untereinander koordinieren als auch an Dritte.

Welche Hilfen gibt es für pflegende Angehörigen?

Falls Sie eine Auszeit brauchen, ein paar Tage in den Urlaub fahren wollen oder auf Grund von Ihrer Beschäftigung nicht vor Ort sein können ist die Verhinderungspflege eine gute Alternative, um diese Zeit finanziell und pflegerisch zu überbrücken.

Pflegekurse und Pflegeberatungen

Pflegekurse erleichtern Angehörigen die Versorgung von Pflegebedürftigen. In Pflegekursen lernen Angehörige den praktischen Umgang mit zu pflegenden Personen. Es gibt auch Spezialkurse, um die Behandlung bei bestimmten Krankheiten zu erlernen.

Wohlfahrtsverbände, Sozialdienste, Pflegestützpunkte und andere Dienstleister bieten kostenlose Pflegeberatungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige an. Mehr darüber erfahren Sie hier.

Selbsthilfegruppen und Onlineforen

In Selbsthilfegruppen und Onlineforen tauschen Pflegende sich über Erfahrungen, Probleme und Lösungswege aus. Oft hilft es mit anderen Betroffenen über die eigenen Vorkommnisse zu sprechen und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Die Angebote sind kostenlos.

Psychologische Beratung für Pflegende

Pflegende können sich kostenlos und auf Wunsch anonym von geschulten Psychologen unter https://www.pflegen-und-leben.de/online-beratung-pflegen-und-lebende.html beraten lassen. Die Beratung erfolgt telefonisch, per E-Mail oder im Chat.

Pflegeunterstützungsgeld

Sie sind berufstätig und müssen sich nebenher um einen Pflegefall in Ihrer Familie kümmern? Diese beiden Aufgaben unter einen Hut zu bekommen ist keineswegs leicht. Das Pflegeunterstützungsgeld steht Ihnen zu, sobald Sie kurzfristig bis zu zehn Tage von der Arbeit fernbleiben. Dadurch sind Sie auch im Falle eines Notfalls finanziell abgesichert. Mehr über die Voraussetzungen für den Erhalt des Pflegeunterstützungsgeldes erfahren Sie in unserem Blogartikel.

Länderzuschüsse in Baden-Württemberg und Bayern

In Baden-Württemberg leistet das Bundesland eine Zusatzleistung, wenn die Pflegekasse die Pflegekosten einer Person nicht ausreichend deckt und auch keine eigenen Mittel beim Pflegebedürftigen vorhanden sind. In Bayern können Sie das sogenannte „Landespflegegeld“ beantragen, dass Ihnen, wenn Sie wohnhaft in Bayern sind, unabhängig von Einkommen und Vermögen zusteht. Das Formular zur Beantragung finden Sie hier.

Renten- und Unfallversicherung für Pflegende

Angehörige, Freunde oder Nachbarn, die Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 zu Hause betreuen, haben ein Anrecht auf Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen . Ein Jahr Pflege eines Angehörigen oder Nahestehenden führt zu einem monatlichen Rentenanspruch zwischen 5,39 und 29,94 Euro. Welche weiteren Bedingungen erfüllt sein müssen lesen Sie hier.

Wer Angehörige pflegt ist automatisch unfallversichert. Voraussetzung ist, dass Sie bei der Pflegekasse als zuständige Person für die Pflege gemeldet sind. Durch die Unfallversicherung entstehen Ihnen keine zusätzlichen Kosten.