Dez. 13, 2022

Depressionen im Alter: Ursachen und Hilfe

Depressionen gehören neben dementiellen Erkrankungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Doch was unterscheidet eine Depression im Alter von einer Depression in jüngeren Jahren? Wie muss diese Depression behandelt werden? Und wie kann ich als Angehöriger den Betroffenen unterstützen?
Eine an Depression erkrankte Seniorin schaut traurig aus einem Fenster

Definition: was ist Altersdepressionen?

Als Depression bezeichnet man allgemein eine psychische, affektive, also eine die Gefühlswelt betreffende Störung. Dabei ist die Stimmung eines Menschen negativ verändert und er oder sie verspürt Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Tritt eine Depression nach dem 65. Lebensjahr auf wird es als Altersdepression bezeichnet.

Anders als bei jüngeren Menschen zeigen sich im Alter die Hauptsymptome einer Depression meist eher körperlich. Bei älteren Betroffenen überwiegen oft unspezifische Symptome wie Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindelanfälle oder Magen-Darm-Beschwerden, die eigentlich typische Stimmungsveränderung erfolgt meist schleichend im Hintergrund. Daher fällt es oft schwer, die Depression rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Ursachen und Risikofaktoren für eine Depression

Eine Depression kann durch viele Faktoren ausgelöst werden und entsteht selten aus einer einzigen Ursache.

Generelle Ursachen einer Depression

Wie genau Depressionen entstehen, ist unbekannt. Fachleute haben hierzu unterschiedliche Theorien entwickelt. Zu den Gründen, die dabei eine Rolle spielen, zählen:

  • Genetische Veranlagungen
  • Ein Mangel oder Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn
  • Hormonelle Einflüsse
  • Psychosoziale Faktoren, z.B. anhaltender Stress, Einsamkeit, Überforderung
  • Belastende oder traumatische Erlebnisse, z.B. häusliche Gewalt oder Missbrauch (auch aus der älteren Vergangenheit!)
  • Persönlichkeitsfaktoren, z.B. mangelndes Selbstvertrauen

Als wahrscheinlich gilt, dass jeweils mehrere dieser Ursachen zusammen eine Depression auslösen

Ursachen von altersbedingten Depression

Mögliche Gründe für das Auftreten einer altersbedingten Depression sind:
  • Genetische Veranlagung
  • Neurobiologische Störungen
  • Bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren
  • Altersbedingte biologische Veränderungen

Zudem können bestimmte Persönlichkeitseigenschaften wie schnelle Überforderung, Unsicherheit oder Pessimismus die Entstehung einer Depression begünstigen.

Risikofaktoren für eine altersbedingte Depression

Eine altersbedingte Depression hat nochmal andere Ursprünge. Ein Grund könnte zum Beispiel sein, dass mehrere altersbedingte Erkrankungen vorliegen und dies zu einer Hilflosigkeit und Depression führt. Außerdem können chronische Schmerzzustände oder andere chronische Krankheiten auf Dauer eine depressive Erkrankung auslösen.

Bei manchen Krankheiten wie Demenz oder Krebserkrankungen ist das Risiko für eine Depression besonders hoch. Die Depressionshäufigkeit beträgt hier 30-50 Prozent. Auch Parkinson, Schlafstörungen oder Schlaganfälle stehen in enger Wechselwirkung mit Depressionen. Schlafbezogene Atemstörungen wie zum Beispiel das Schlafapnoe-Syndrom werden mit zunehmendem Alter häufiger und führen neben Tagesmüdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen zu Depressionen. Außerdem kann ein Mangel an Vitamin D, Omega 3 und anderen Mikronährstoffen eine Depression begünstigen. Daher sollte ein Blutbild mit Entzündungswerten und gegebenenfalls ein Mikronährstoffprofil erstellt werden. Eine Schilddrüsenerkrankung kann zu einem erheblichen Einfluss auf die Psyche führen.

Nicht nur körperliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle beim Auftreten einer Depression, sondern vor allem psychosoziale Faktoren. Im hohen Alter kommt der Verlust von geliebten Freunden, des Partners oder enger Familienmitglieder leider immer öfter vor. Damit wird dem Senior die eigene Endlichkeit bewusst, was zu Hilflosigkeit führen kann. Eine nicht erfolgte Verarbeitung früherer traumatischer Erlebnisse kann den Senior besonders destabilisieren. Doch nicht nur der Tod von engen Angehörigen kann eine Depression begünstigen, sondern auch der Wegfall von Aufgabenfeldern durch den Auszug von Kindern oder den Eintritt der Rente. Außerdem kann durch die räumliche Trennung von Kindern und Enkeln der soziale Mittelpunkt wegbrechen, der für Stabilität gesorgt hat. Das Knüpfen von neuen sozialen Kontakten wird zudem durch mangelnde Beweglichkeit, Sehschwäche und Inkontinenz eingeschränkt.

Eine weitere Ursache ist der finanzielle Rückschritt durch die Rente, welcher die Senioren in der Gestaltung ihres Lebensalltags stark einschränkt. Der Wechsel in eine kleinere Wohnung oder das Einschränken von sozialen Aktivitäten kann die Unzufriedenheit über das eigene Leben verstärken.

Schon gewusst?
Bis zu 75 Prozent aller Schlaganfallpatienten zeigen depressive Verstimmungen. Das ist nicht allein durch die körperliche Beeinträchtigung erklärbar. Untersuchungen haben gezeigt, dass besonders die Patienten an Depressionen leiden, deren geschädigte Hirnpartie im linken vorderen Bereich des Gehirns liegt.

Symptome einer altersbedingten Depression

Sie haben das Gefühl, ihr Angehöriger leidet an einer Depression? Diese Symptome sind Anzeichen für eine altersbedingte Depression:

Körperlich:

  • Kopfschmerzen, Rücken- und Gliederschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden, speziell Verstopfungen
  • Herzrhythmusstörungen, Atemprobleme
  • Schwindelgefühle
  • Missempfindungen („Kribbeln“ am Körper)
  • Appetitlosigkeit mit einhergehendem Gewichtsverlust oder unkontrolliertes Essen mit Gewichtszunahme
  • Permanente Müdigkeit
  • Schlafstörungen (entweder beim Ein-oder Durchschlafen oder vermehrte Müdigkeit tagsüber)
  • Innere Unruhe
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Selbstverletzungen

Psychisch:

  • Antriebs- und Lustlosigkeit
  • Emotionales Abstumpfen: an nichts mehr Freude haben
  • Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen bzw. der Umgebung
  • Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • Plötzliche Weinanfälle
  • Selbstzweifel, Gefühle der Wertlosigkeit, Destruktivität
  • Nachdenken über den Tod, Selbstmordgedanken
  • Bei schweren Depressionen: Wahnvorstellungen und Halluzinationen
  • Besonderheiten bei Männern: schneller gereizt, aggressiv, verstärktes Suchtverhalten

Diagnostik und Verlaufsform

Die Diagnose einer Altersdepression wird nur in 10-20 Prozent der Fälle gestellt. Oft überwiegen die körperlichen Symptome und eine psychische Krankheit wird daher ausgeschlossen. Das Beklagen unspezifischer Beschwerden, das Äußern von Ängsten oder gedrückter Stimmung wird von Angehörigen oft nicht ernst genommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Depression als Krankheit in der Öffentlichkeit immer noch tabuisiert wird oder nur als Verstimmung abgetan wird. Trotzdem ist es aber wichtig, die Betroffenen nicht selbst zu diagnostizieren, sondern einen Psychiater einzuschalten.

Es gibt zwei Verlaufsform der Krankheit. Bei chronischen Altersdepressionen bleibt die Krankheit anhaltend bestehen. Bei episodenhaften Altersdepressionen kommt es in unregelmäßigen Abständen erneut wieder zu Krankheitsphasen.

Unterschieden wird je nach Häufigkeit und Ausprägung der Symptome zwischen leichten, mittelschweren und schweren Depressionen.

Behandlungsmöglichkeiten

Generell beruht die Behandlung einer Altersdepression wie bei der Depression im früheren Lebensalter auf zwei Säulen: der Psychotherapie und der medikamentösen Therapie. In der Praxis bekommt aber nur ein sehr geringer Anteil der Betroffenen eine Psychotherapie. Medikamente werden dagegen öfter verschrieben. Für eine langfristige Besserung der mentalen Gesundheit ist nur eine Kombination der zwei Ebenen zielführend. Daneben spielen Faktoren wie soziales Umfeld, Aktivität, Bewegung und Ernährung eine ausschlaggebende Rolle. Die sogenannte 24-Stunden Pflege kann Sie entlasten und sich um die Beschäftigung und Pflege des Betroffenen kümmern.

Psychotherapie

Psychotherapie ist eine wirksame Methode, um Depressionen langfristig zu behandeln. Bei der Therapie werden die individuellen psychischen Probleme mit verschiedenen Verfahren behandelt. Dabei werden persönliche Themen wie Angst vor Pflegebedürftigkeit, Einsamkeit oder Abhängigkeit von anderen besprochen.

Zur Unterstützung erstellen Therapeuten häufig einen Wochenplan gemeinsam mit dem Patient. Dieser trägt in den Plan seine Stimmung, ausgeführte Beschäftigungen und besondere Ereignisse ein. Das hilft sowohl dem Betroffenen als auch dem behandelnden Therapeuten, bestimmte Verhaltensweisen zu beobachten und zu hinterfragen.

Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung einer Depression stehen verschiedene Antidepressiva zur Verfügung, die der Arzt verordnen kann. Allgemein lässt sich sagen, dass einEinsatz von Antidepressiva nur bei mittelschweren und schweren Depressionen sinnvoll ist. Bei leichten Depressionen sind Antidepressiva nicht hilfreich. Die wirksamste Therapieform ist, wie schon oben erwähnt, eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten.

Bestimmte Antidepressiva (sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) brauchen in der Regel vier Wochen, bis eine Verbesserung der Stimmung bemerkbar ist. Eine Antriebssteigerung kann allerdings schon deutlich früher eintreten. Das ist aber oft lebensgefährlich, da sich in diesem Zeitfenster die Suizidgefahr erhöht. Daher ist es besonders wichtig, in diesem Zeitraum den Betroffenen intensiv zu betreuen.

Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva. Es kann zwischen antriebssteigernden, stimmungsaufhellende und beruhigenden Antidepressiva unterschieden werden. Die antriebssteigernden Antidepressiva werden in der Regel morgens verabreicht, sodass der Start in den Tag erleichtert wird. Abends werden zum Runterkommen beruhigende Antidepressiva verabreicht. Zeigen die Betroffenen psychotische Symptome, werden häufig Neuroleptika verschrieben. Im Idealfall können die Medikamente aber wieder abgesetzt werden, wenn die akute Phase vorbei ist.

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Betreuungskräfte schaffen Tagesstruktur und animieren zu Bewegung und Teilhabe am sozialen Leben.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei altersbedingten Depressionen

Bewegung

Ausreichend Bewegung hat häufig einen positiven Effekt auf die Stimmung. Am Besten findet der Spaziergang an der frischen Luft statt, da ein Umgebungswechsel bei Depression förderlich für den Verlauf der Krankheit sein kann. Hierbei geht es nicht darum, einen ewig langen Spaziergang zu machen, sondern jeder Schritt und jede Viertelstunde an der frischen Luft zählt.

Lichttherapie

Bei einer Lichttherapie werden die Betroffenen mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Das UV-Licht kann vor allem bei saisonalen Depressionen helfen. Dabei sitzt der Patient im Abstand von circa 80 Zentimetern vor einer Leuchte. Dafür sind 10.000 Lux ideal, aber sie sollte auf keinen Fall weniger als 2.500 Lux stark sein. Es muss dabei nicht aktiv in die Lampe geschaut werden, sondern der Betroffene kann währenddessen frühstücken, lesen oder etwas anderes machen.

Hintergrund
Licht steuert die Bildung der Hormone Melatonin und Serotonin. Durch Sonnenlicht oder sehr helles Kunstlicht wird mehr von dem Glückshormon Serotonin gebildet. Dies wirkt sich auf unsere Stimmung aus. Vor allem durch den Lichtmangel im Herbst und Winter kann es zu saisonalen Depressionen kommen.

Ernährung

Eine ausgeglichene und gesunde Ernährung ist wichtig, um verschiedenen Erkrankungen vorzubeugen und im Alter fit zu sein. Auch bei Depressionen ist die Ernährung entscheidend. Immer mehr wächst die Überzeugung, dass eine schlechte Ernährung Ursacheder Depression ist und nicht eine Folge. Manche Forscher fordern eine Ernährungsberatung als festen Bestandteil der Psychotherapie. Denn Fast- und Junkfood kann zu Entzündungen führen und damit zu einem höheren Depressionsrisiko. Auf Grund von den gesättigten Fettsäuren, Transfetten und leeren Kohlenhydraten begünstigt es Entzündungen. Chronische Entzündungen im Körper beeinträchtigen das Gehirn.

Unsere Stimmung wird neben äußeren Faktoren maßgebend von Neurotransmittern beeinflusst. Diese werden im Darm gebildet und hängen daher von einer gesunden Ernährung ab. Eine gesunde Ernährung ist ausgeglichen und abwechslungsreich und besteht aus viel frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen, Fisch und wenig tierischen Produkten. Insbesondere Schweinefleisch, Zucker und Weizenmehl wirken entzündungsfördernd. Zudem sollten “schlechte Fette” vermieden werden und lieber ungesättigte Fettsäuren konsumiert werden. Als sogenannte „schlechte Fette“ werden oft gesättigte Fettsäuren bezeichnet, da sie im Übermaß den Cholesterinspiegel erhöhen und damit das Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Diabetes. Sie stecken in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern und Milchprodukten. “Gute Fette” sind ungesättigte Fettsäuren, die vor allem in Nüssen, Avocados und pflanzlichen Ölen wie Olivenöl stecken.

Kraftquellen nutzen

Nicht nur die körperlichen Aspekte sind relevant für das Überwinden einer Depression, sondern auch mentale Prozesse, die einen Kraft schöpfen lassen. Dafür sollten Sie sich bei Altersdepressionen vor allem die Frage stellen: Was gab dem Senior früher Kraft, die schweren Zeiten zu überstehen? Oft ist bei der älteren Generation der Glaube ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Daher ist es ratsam, gemeinsam bekannte Lieder zu singen oder Gebete und Gedichte zu sprechen. Weitere Kraftquellen können kreative Tätigkeiten sein, wie Malen, Singen, Kochen, Backen oder Gärtnern. Gerade Musik hat nachweislich positive Auswirkungen auf die Stimmung. Wer singen möchte, kann Karaoke-Versionen von alten Liedern hören. Bei all diesen Aktivitäten gilt es als Angehöriger oder Betreuungskraft die Gefühle des Seniors zuzulassen und Traurigkeit und Emotionalität als Ausdruck für lange angestauten Schmerz anzusehen.

Tipp
Angehörigen und Betreuungskräften empfehlen wir den Film Alive Inside, der wunderschön verdeutlicht, was Musik für eine bedeutende Rolle im Umgang mit Demenz hat.

Kommunikation bei depressivem Verhalten

Eine ausführliche Kommunikation auf Augenhöhe hilft zu Beginn der Depression, mit der eigenen Diagnose umzugehen. Sprechen Sie das Thema Depressionen behutsam an und weisen Sie auf die guten Heilungschancen durch eine Behandlung hin. Nehmen Sie die Beschwerden der betroffenen Person ernst. Im Umgang mit Depressionen ist es besonders wichtig, dass Angehörige die Beschwerden als Erkrankung anerkennen und nicht als übertrieben abstempeln.

Unterstützen Sie den Betroffenen dabei Antrieb zu finden, indem Sie den Interessen des Betroffenen nachgehen. Wenn dem Senior beispielsweise Backen Spaß macht, suchen sie gemeinsam ein Rezept aus und laden sie enge Freunde zum gemeinsamen Essen ein.

Darüber hinaus können Sie helfen, seinen Tag zu strukturieren. Tragen Sie dazu z. B. mit ihm oder ihr zusammen die anfallenden Aufgaben der Woche in einen Kalender ein. Da auch Sie eine mentale Auszeit von der Belastung brauchen, sollten Sie mehrere Menschen aus dem engen Kreis mit einbeziehen und gemeinsam unterstützen. Sprechen Sie sich mit Verwandten und Bekannten ab und organisieren Sie regelmäßige Besuche.

Die Art der Kommunikation ist von großer Bedeutung. Vermeiden Sie Phrasen wie „Du musst positiv denken“. Sie vermitteln dem Kranken lediglich, dass Sie ihn nicht verstehen. Außerdem sollten sie es vermeiden, krampfhaft die Stimmung aufzuhellen. Dies kann für psychisch kranke Personen sehr belastend werden, da sie ein schlechtes Gewissen für ihre depressive Erkrankung entwickeln. Stattdessen sollten Sie zuhören, geduldig bleiben und auf die andere Person eingehen.

Innere Haltung gegenüber depressiv Erkrankten

Die Arbeit und Kommunikation mit depressiv Erkrankten ist eine der schwierigsten im pflegerischen Aufgabenfeld. Sie erfordert ein hohes Maß an Selbstreflektion, Empathie, die Fähigkeit eines guten Umgangs mit Nähe und Distanz und die Bereitschaft, sich Hilfe zu holen. Bei depressiven Menschen lässt sich vor allem das Desinteresse und das fehlende Äußern und Erleben von positiven Gefühlen beobachten. Das führt oft bei Angehörigen und Betreuungskräften dazu, dass sie sich noch mehr anstrengen, um eine Besserung zu erzielen. Da dies aber nicht so einfach eintritt und depressive Erkrankungen oft mehrere Monate oder Jahre andauern, führt das zu einem Resignieren bei den pflegenden Personen. Oft werden depressive Senioren dadurch aufgegeben, was nur zu einer Verschlechterung der Situation führt. Was kann also getan werden, um diesen Teufelskreislauf zu vermeiden?

In der Arbeit mit depressiven Menschen müssen Angehörige den Zwiespalt zwischen Distanz und Zuwendung erfolgreich meistern. Distanz bedeutet in diesem Fall, sich selbst zu beobachten und darauf achten, nicht in einen depressiven Sog gezogen zu werden. Denn für die depressive Person ist nichts schlimmer als wenn das stabile Umfeld zerbricht, da das Gegenüber dem Leidensdruck nicht mehr standhalten kann. Ein wichtiger Begriff hier ist die “stellvertretende Hoffnung”. Da der Betroffene zurzeit keine Hoffnung oder Perspektive für sich entwickeln kann, übernehmen Sie diese stellvertretend für ihn und wirken als Gegenpol der Erkrankung. Außerdem ist aus der Forschung bekannt: Je weniger Sie an den Effekt Ihrer Interaktionen glauben, desto geringer ist das Wohlbefinden der Klienten. Daher sollten Sie der depressiven Person vermitteln, dass Sie für sie da sind und das Angebot von einer Unterstützung oder einer gemeinsamen Aktivität immer wieder stellen, ohne dabei auf Grund der Ablehnung zu resignieren oder die Frustration offenkundig werden zu lassen. Als pflegende Person ist man unterstützend vor Ort, um zum Beispiel bei der Ernährung und Pflege zu helfen, aber Sie sollten durchaus in der Lage sein, sich zurückzuziehen und zurückzunehmen. Machtkämpfe mit dem Senior sind nicht zielführend und der Erfolg der Arbeit soll nicht daran gemessen werden, ob die Person mit Depressionen heute mitmacht. Außerdem ist die Einstellung von Ihnen als "alleiniger Retter”, der das Gegenüber aus der Depression herausholt, komplett unrealistisch und verursacht unnötig Druck. Um eine Depression zu überwinden, braucht es das Zusammenspiel von Ärzten, Therapeuten, Medikamenten und sozialen Kontakten. Sie sind ein elementarer Bestandteil dieses Gefüges, aber nicht alle Last liegt alleine auf Ihren Schultern.

Wichtige Punkte im Umgang mit depressiv Erkrankten

  • Distanz halten, um die Gefühle des Gegenübers nicht zu übernehmen
  • Untermauern von Stärken und positiven Eigenschaften
  • Auf Fortschritte hinweisen
  • Dem Betroffenen etwas zutrauen, zugleich Gefühl vermitteln gewollt und akzeptiert zu sein, so wie er/sie mit der Depression ist
  • Gemeinsame Aktivitäten als wünschenswert und machbar darstellen
  • Bei Ablehnung nicht resigniert zurückziehen - Ablehnung ist kein Misserfolg des Pflegenden!

FAQs - Häufige gestellte Fragen

Welche Rolle spielt die Kommunikation bei einer Altersdepression?

Eine ausführliche Kommunikation auf Augenhöhe ist ausschlaggebend für den Verlauf der Erkrankung. Sprechen Sie das Thema Depressionen behutsam an und weisen Sie auf die guten Heilungschancen durch eine Behandlung hin. Nehmen Sie die Beschwerden der betroffenen Person ernst. Im Umgang mit Depressionen ist es besonders wichtig, dass Angehörige die Beschwerden als Erkrankung anerkennen und die Beschwerden nicht als übertrieben abstempeln.

Wie kann eine Altersdepression behandelt werden?

Generell beruht die Behandlung einer Altersdepression wie bei der Depression im früheren Lebensalter auf zwei Säulen: der Psychotherapie und der medikamentösen Therapie. Bei der Psychotherapie werden die individuellen psychischen Probleme mit verschiedenen Verfahren behandelt. Bei der medikamentösen Therapie gibt es verschiedene Arten von Antidepressiva, bei denen zwischen antriebssteigernden, stimmungsaufhellende und beruhigenden Antidepressiva unterschieden werden kann.

Was sind Anzeichen für eine Altersdepression?

Körperliche Anzeichen für eine Altersdepression sind Kopfschmerzen, Rücken- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrhythmusstörungen, Atemprobleme, Appetitlosigkeit, permanente Müdigkeit, Schlafstörungen, innere Unruhe, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder Selbstverletzungen.

Psychische Anzeichen sind Antriebs- und Lustlosigkeit, emotionales Abstumpfen, Gleichgültigkeit, Rückzug aus dem sozialen Umfeld, Selbstzweifel, Gefühle der Wertlosigkeit oder das Nachdenken über den Tod.

Was ist Altersdepression?

Als Depression bezeichnet man allgemein eine psychische, affektive, also eine die Gefühlswelt betreffende Störung. Tritt eine Depression nach dem 65. Lebensjahr auf, wird es als Altersdepression bezeichnet. Anders als bei jüngeren Menschen zeigen sich im Alter die Hauptsymptome einer Depression meist eher körperlich: Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindelanfälle oder Magen-Darm-Beschwerden treten häufig auf.