Nov. 29, 2022

24-Stunden Pflege privat: Vorteile und Nachteile von schwarz angestellten Pflegekräften aus Polen

Die legale Anstellung einer Pflegekraft zuhause ist kostspielig. Daher liegt es nahe, eine Pflegekraft aus Polen kostengünstig schwarz anzustellen. Wir erläutern die Vorteile und Nachteile dieser Form der Beschäftigung für Senioren, Angehörige und Pflegekräfte.

Definition: Was bedeutet private 24-Stunden Pflege?

Unter privater 24-Stunden Pflege versteht man in der Regel Schwarzarbeit. Eine Pflegekraft aus Osteuropa zieht in den Haushalt hilfsbedürftiger Senioren ein. Dort erbringt sie Pflegedienstleistungen und kümmert sich um den Haushalt, ohne dass Behörden über die Anstellung informiert werden und vor allem keine Sozialversicherungsabgaben abgeführt werden. Private 24-Stunden Pflege ist auf den ersten Blick kostengünstiger für Familien und lukrativer für Pflegekräfte.

Warum werden private 24-Stunden Pflegekräfte gesucht?

Wird ein Angehöriger betreuungs- oder pflegebedürftig, liegt es nahe, eine Pflegekraft aus Osteuropa anzustellen. Denn die meisten Menschen wünschen sich ihren Lebensabend im eigenen Zuhause zu verbringen.

Nach der ersten Recherche im Internet ist der Schreck dann oft groß: 2.500 bis 3.000 Euro Bruttokosten für eine Pflegekraft aus Polen - wer soll das stemmen? Zwar unterstützt die Pflegekasse hilfsbedürftige Menschen abhängig vom Pflegegrad mit monatlich bis zu 1.111 Euro Pflegegeld und Verhinderungspflege. Dennoch bleibt mindestens eine Summe von ungefähr 1.400 Euro übrig, die Betroffene oder Angehörige für legale 24 Stunden Pflege selbst aufbringen müssen.

So zwingt die mangelnde staatliche Unterstützung Menschen mit niedrigem Einkommen, sich nach Alternativen umzuschauen. Wer sich legale Angebote nicht leisten kann oder will, stolpert schnell über die sogenannte “private 24-Stunden Pflege”: Die schwarze Anstellung einer Pflegekraft aus Polen.

Experten schätzen, dass bis zu 90% aller osteuropäischen Pflegekräfte in Deutschland in illegalen Beschäftigungsverhältnissen tätig sind. Und der Staat drückt oft ein Auge zu, denn eine flächendeckende Verfolgung würde den bestehenden Pflegenotstand in Deutschland massiv verschlimmern. Werner Hesse, der Leiter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, sagt dazu in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Ich würde nicht ausschließen, dass Schwarzarbeit in der Pflege vom Staat weniger stark verfolgt wird als in anderen Branchen", sagt er. "Unser Gesundheitssystem profitiert davon."

Wer bietet private 24-Stunden Pflege an?

Private 24 Stunden Pflege wird sowohl von einzelnen Pflegekräften als auch von illegal arbeitenden Vermittlern angeboten. Einzelne Pflegekräfte finden ihre Arbeitgeber in der Regel über Empfehlungen und über Mundpropaganda. Sie betreuen hilfsbedürftige Menschen ohne Pausen über den gesamten Betreuungszeitraum. Verstirbt die hilfsbedürftige Person oder zieht sie in ein Pflegeheim, findet sich die nächste Arbeitsstelle oftmals im Bekannten- und Freundeskreis der Arbeitgeber-Familie. Illegal arbeitende Vermittler sind typischerweise Personen mit guten Kontakten in die osteuropäischen Heimatländer der Pflegekräfte. Sie vermitteln eine größere Anzahl von Pflegekräften, die durch hohe Gehälter und geschönte Stellenbeschreibungen angelockt werden. Ihre Angebote finden sich meist in Online-Kleinanzeigen und Annoncen.

Wo findet man Pflegekräfte für die private 24-Stunden Pflege?

Wer sich für private 24 Stunden Pflege interessiert, muss nicht lange suchen. Angebote finden sich zuhauf auf Webseiten wie den Ebay Kleinanzeigen oder in verschiedenen Facebook-Gruppen. Anzeigen werben mit Titeln wie

  • 24/7 Stunden Pflege in Privathaushalt

  • Aneschka sucht Arbeit als polnische 24 Stunden-Pflegekraft

  • ❤️ Polnische Pflegekräfte für private 24 Stunden Pflege zu Hause ❤️

  • Herzliche 24 Stunden Pflegekraft sucht neue Familie

Woran erkennt man 24 Stunden Pflege privat?

Schwarzarbeit lässt sich in der Regel am niedrigen Preis erkennen. Einzelne Pflegekräfte bieten Ihre Leistungen für ca. 1.500 bis 1.800 Euro pro Monat an. Angebote illegal arbeitender Vermittler sind teurer - liegen aber in der Regel mindestens 200 bis 300 Euro unter den Angeboten seriöser Agenturen. Ein Überschlagen der Kosten führt vor Augen: Selbst wenn man unterstellt, dass die gesetzlich vorgegebene Beschränkung der Arbeitszeit auf maximal 40 Stunden pro Woche eingehalten wird, ergeben sich seit der Erhöhung des Mindestlohns Personalkosten von mindestens 1.920 Euro. Weitere Merkmale sind die fehlende pflegefachliche Beratung im Vorfeld und Begleitung während des Einsatzes mangels fachlich geschulter Mitarbeiter. Eignung und Deutschkenntnisse werden nicht geprüft und Referenzen kurzerhand selber geschrieben. Treten im Laufe der Betreuung Probleme oder Konflikte auf, sind Senioren und Familien auf sich selbst gestellt.

Erfahrungen mit privater 24-Stunden Pflege: Wie fliegt die Schwarzarbeit auf und was sind die rechtlichen Konsequenzen?

Die Beschäftigung einer schwarz angestellten Pflegekraft fliegt in den meisten Fällen aus folgenden drei Gründen auf:

  • Anzeige der Pflegekraft, um entgangenen Lohn und Rente zu erhalten
  • Bei einem Unfall oder Erkrankung der Pflegekraft,

  • Kontrolle der Behörden

Anzeige durch die Pflegekraft

Immer häufiger lassen Pflegekräfte die private 24 Stunden Pflege auffliegen. In Facebook-Gruppen wird empfohlen, sich bei Verlust des Jobs als bislang illegal Beschäftigte beim Arbeitsamt zu melden - nicht nur bei Kündigung, sondern genauso nach dem Versterben des Seniors. So lassen sich im Nachhinein entgangenes Gehalt und Rentenbeiträge einklagen. Eine verlockende Aussicht, schließlich arbeiten Pflegekräfte nicht aus Nächstenliebe, sondern aus finanziellen Gründen.

Unfall oder Erkrankung der Pflegekraft

In Deutschland verunglücken jährlich mehr Menschen im Haushalt als im Straßenverkehr. Muss eine Pflegekraft zum Arzt oder ins Krankenhaus, wird dann oft eine Auslandsreisekrankenversicherung vorgelegt. Diese Versicherungen tragen allerdings nur die Behandlungskosten während einer Urlaubsreise - nicht aber die Kosten während eines beruflichen Aufenthalts im Ausland. Das bedeutet, dass die Kosten des Arztbesuchs oder Krankenhausaufenthalts von der Familie getragen werden müssen. Ebenso trägt die Familie die Kosten für eventuelle anschließende Reha-Maßnahmen, denn auch Abgaben an die Berufsgenossenschaft wurden nicht abgeführt. Im schlimmsten Fall muss der Pflegekraft bei Berufsunfähigkeit eine lebenslange Rente gezahlt werden. Aber nicht nur die fehlende Krankenversicherung kann zum Problem werden: Ohne Haftpflichtversicherung bleiben Familien auf den Kosten von Personen- oder Sachschäden sitzen.

Kontrolle durch Behörden

Kommt das Finanzamt der Unterschlagung von Steuern und Sozialabgaben auf die Spur, droht allen Kunden eines illegalen Vermittlers eine Vor-Ort-Kontrolle. So durchsuchten erst kürzlich 150 Einsatzkräfte des Zolls und der Landespolizei Häuser in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Aber auch nach einem anonymen Tipp der Nachbarn stehen Beamte schnell vor der Tür.

Sobald der Staat auf Schwarzarbeit feststellt, müssen der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen die nicht entrichteten Sozialabgaben nachzahlen. So werden je nach Beschäftigungsdauer schnell mehrere zehntausend Euro fällig. Darüber hinaus müssen Familien mit einem Bußgeld oder einem Strafverfahren aufgrund von Steuerhinterziehung rechnen.

Zusammenfassung: Vorteile und Nachteile der privaten 24 Stunden Pflege

Vorteile

  • Geringere Kosten

  • Keine Beschränkung der Arbeitszeit durch gesetzliche Vorgaben

  • Keine oder wenige Wechsel der Pflegekräfte

Nachteile

  • Es drohen hohe Nachzahlung der Lohnkosten und Sozialversicherungsbeiträge sowie Strafen

  • Keine pflegefachliche Beratung, Organisation und Begleitung des Einsatzes

  • Kein Ansprechpartner während des Einsatzes

  • Ungeprüfte Pflegekräfte

Was ist die Alternative zur Schwarzarbeit?

Stiftung Warentest rät Verbauchern zu seriösen Vermittlern, die nach DIN SPEC 33454 zertifiziert sind.
Stiftung Warentest rät Verbauchern zu seriösen Vermittlern, die nach DIN SPEC 33454 zertifiziert sind. Quelle:. 8/2022 Finanztest

Schwarzarbeit ist nur vermeintlich billiger und auch viele scheinbar legale Anbieter tricksen bei den Kosten. Wie können sich Familien und Senioren also vor zu gut klingenden Angeboten schützen?

Ein sicherer Hinweis auf seriöse und fachkundige Arbeit ist die Zertifizierung des Vermittlers durch die DEKRA auf Grundlage der DIN SPEC 33454. Der von Mecasa initiierte und in Zusammenarbeit mit Stiftung Warentest und Pflegewissenschaftlern entwickelte DIN-Standard definiert strenge Kriterien für verbraucherfreundliche Verträge, Auditierung der Betreuungsdienstleister, Prüfung der Betreuungskräfte, Kundenberatung durch Pflegefachkräfte und vieles mehr.


Zertifiziert von DEKRA

Betreuungskräfte von Mecasa

FAQs - Häufige gestellte Fragen

Was ist das Risiko bei 24-Stunden Pflege privat?

Typischerweise wird Schwarzarbeit bei einer Kontrolle durch Behörden aufgedeckt oder auch durch Pflegekräfte selber angezeigt, um nach Ende des Einsatzes entgangenen Lohn und Rentenzahlungen einzufordern.

Wie viel kostet eine private Pflegekraft im Monat?

Da für schwarz angestellte Pflegekräfte keine Sozialversicherungsabgaben geleistet werden beginnen Angebote ab ca. 1.500 Euro. Sollte die Schwarzarbeit auffliegen drohen jedoch hohe Nachzahlungen und Strafen.

Was ist eine private 24-Stunden Pflege?

Unter privater 24-Stunden Pflege versteht man in der Regel Schwarzarbeit. Eine Pflegekraft aus Osteuropa zieht in den Haushalt hilfsbedürftiger Senioren ein. Dort erbringt sie Pflegedienstleistungen und kümmert sich um den Haushalt, ohne dass Behörden über die Anstellung informiert werden und ohne dass Sozialversicherungsabgaben abgeführt werden.