Juni 21, 2021

Die 10 wichtigsten Tipps für die 24 Stunden Pflege während der Corona-Krise

Für die Altenbetreuung ist die Corona-Krise eine Herausforderung. Der Schutz vor Ansteckung ist oberste Gebot - aber soziale Isolation ist schwierig umzusetzen. Mecasa hat Tipps gesammelt um den Alltag leichter zu machen.

An Routinen festhalten

Der Kaffeeduft kommt aus der Küche: Jeden Morgen um 7.30 Uhr weckt Maria Opa Rudolf und hilft ihm beim Anziehen. Danach starten sie den Tag in Ruhe beim gemeinsamen Frühstück. Maria weiß, wie wichtig geregelte Abläufe für den Senior sind. Weicht sie davon ab, kippt seine Stimmung schnell. Das gilt auch für den Alltag in der Corona-Krise. Zumal mancher Senior nicht versteht, warum sich alle aufregen und Enkel nicht zu Besuch kommen.

  • Gerade in Krisenzeiten brauchen Menschen Strukturen, die ihnen Halt geben. Ein geregelter Tagesablauf gehört dazu. Das gilt besonders für Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Veränderungen wirken hier schnell destabilisierend.
  • Aktuelle Entwicklungen in einfacher Sprache erklären, den Pflegebedürftigen aber nicht mit komplexen Informationen überfrachten. Dabei nicht vergessen: Wir alle haben Schwierigkeiten, die Auswirkungen der Corona-Krise richtig einzuschätzen. Umso schwerer fällt es den Senioren.
  • Wenn Veränderungen im Tagesablauf unvermeidlich sind, weil zum Beispiel der Besuch im Altencafé ausfällt: Einen sinnvollen Ersatz wie ein Telefonat mit einem anderen Besucher planen.

Durch Hygiene das Ansteckungsrisiko senken

Gegen 9 Uhr kommt der ambulante Pflegedienst, um Opa Rudolf seine Insulinspritze und die Tablette gegen Bluthochdruck zu geben. Bevor die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit beginnen, gehen sie ins Bad und waschen gründlich ihre Hände. Auf das Händeschütteln verzichten sie, schenken Opa Rudolf aber ein freundliches Lächeln. Die ersten Tage fand der Senior das unhöflich, mittlerweile lächelt er zurück. Auch Maria wäscht sich ihre Hände öfter als bisher: vor dem Zubereiten der Mahlzeiten oder wenn sie Einkaufstüten ins Haus bringt. Sie ermuntert Opa Rudolf, ein Taschentuch nur einmal zu benutzen, in die Ellenbeuge zu husten und sich nach dem Naseputzen die Hände zu waschen.

  • Ältere und chronisch kranke Menschen sind häufig von schweren Verläufen mit Covid-19 betroffen. Wir wissen: Das Corona-Virus verbreitet sich über Tröpfcheninfektion. Die Einhaltung von Hygieneregeln ist daher essentiell.
  • Seife sollte in ausreichender Menge im Haushalt vorhanden sein. Mittel des Pflegebedarfs wie Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Mittel zur Flächen- und Händedesinfektion können Sie online bei www.curabox.de, www.sanubi.de oder pflegemittelbox.de bestellen. Hat Ihr Angehöriger einen Pflegegrad, gibt es einen Zuschuss von bis zu 40 Euro pro Monat von der Pflegekasse.
  • Verringern Sie die Zahl der Besuche auf das Nötigste. Erinnern Sie alle Besucher daran, vor dem Kontakt mit dem Senior die Hände zu waschen und auf das Schütteln der Hände zu verzichten. Kinder und Jugendliche sollten vorerst keine Besuche machen, da sie nach aktuellem Kenntnisstand häufig Träger des Virus sind (ohne dabei zwingend selbst zu erkranken).
  • Regen Sie den Pflegebedürftigen zum regelmäßigen Händewaschen an. Der Gang zum Waschbecken ist Teil der täglichen Gymnastik.

Infektionen vorbeugen: Die 10 wichtigsten Hygienetipps

Hygiene-Tipps für die 24-Stunden-Pflege während Corona

Die Infografik „Infektionen vorbeugen: Die 10 wichtigsten Hygienetipps“
gibt einen Überblick über einfache persönliche Hygienemaßnahmen, um sich
und andere vor

Soziale Kontakte vermeiden

Im Laufe des Vormittags brechen Maria und Opa Rudolf zu einem kleinen Spaziergang auf. Wenn sie Bekannten begegnen, bleiben sie für ein kurzes Schwätzchen stehen. Maria achtet darauf, dass der Senior und sein Gesprächspartner sich nicht zu nahe kommen oder die Hände schütteln. Das Mittagessen in der Weinstube um die Ecke entfällt leider. Nach der Rückkehr in die Wohnung heißt es wieder einmal und zu allererst: Hände waschen.

  1. Bewegung, frische Luft und Sonnenstrahlen sind wichtig für das körperliche und seelische Wohlbefinden. Das gilt auch für Pflegebedürftige und ihre Betreuungskräfte. So lange es geht, sind Spaziergänge (zu zweit!) sinnvoll. Ist der Pflegebedürftige in seiner Mobilität eingeschränkt, hilft der Aufenthalt im Garten oder auf dem Balkon.
  2. Generell gilt: So wenig Sozialkontakte wie möglich! Bei der Begegnung mit der Familie oder Bekannten auf den Abstand von mindestens zwei Metern achten. Ist ein Familienmitglied erkältet oder hat andere Krankheitssymptome ist der Kontakt absolut tabu – auch an der frischen Luft.
  3. Währen der Corona-Krise sollten Pflegebedürftige keine Restaurants besuchen.
  4. Die Betreuungskraft sollte das Haus möglichst nicht verlassen und keine zusätzlichen sozialen Kontakte pflegen. Lässt sich das absolut nicht vermeiden – zum Beispiel wegen eines nötigen Arztbesuchs – bitte keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Unterstützen Sie Ihre Betreuungskraft bei der Organisation des Transports, zum Beispiel mit Ihrem Auto.

Einkäufe liefern lassen

Wieder zu Hause angekommen, klingelt es an der Türe. Der Mitarbeiter des Lieferdienstes ist da und bringt die lang ersehnten Kartoffeln. Den Wocheneinkauf übernimmt die Familie von Opa Rudolf und stellt die Tüten wegen der Ansteckungsgefahr vor die Türe. Größere Mengen und Hygieneartikel bestellen die Angehörigen online – so lange der Vorrat reicht. Maria beginnt mit der Zubereitung des Mittagessens: Heute gibt es Szegediner Gulasch. Opa Rudolf übernimmt das Schneiden der Paprika. Dass er auf seine alten Tage so viel in der Küche hilft, hätte er nicht zu träumen gewagt.

  1. Wegen der Ansteckungsgefahr sollte die Betreuungskraft aktuell möglichst keine Einkaufscenter besuchen.
  2. Der Wocheneinkauf lässt sich gut von der Familie des Pflegebedürftigen erledigen. Einkäufe am besten vor die Türe stellen! Wer keine Familie in der direkten Nähe hat: Nachbarn unterstützen in der Regel gerne. Auch die Nachbarschaftshilfe ist eine sinnvolle Alternative.
  3. Vorratspackungen, Hygiene- oder Drogerie-Artikel lassen sich über das Internet bestellen. Achtung: Die Lieferzeiten schwanken wegen der hohen Nachfrage in der Krisensituation beträchtlich! Eine Recherche bei mehreren Anbietern lohnt sich.
  4. Wenn es schnell gehen muss: Viele lokale Imbisse und Restaurants haben ihr Angebot um Lieferdienste erweitert. Einen Überblick bieten: www.lieferando.de und lieferheld.de.
  5. Der gute Kontakt zur örtlichen Apotheke lohnt sich: Viele Fachgeschäfte bringen Medikamente nach Hause.

Supermärkte

Drogerien

Apotheken

Betreuungskräfte motivieren – Ängste ernst nehmen

Nach dem Essen zieht sich Opa Rudolf für seinen Mittagsschlaf zurück. Auch Maria hat jetzt freie Zeit. Sie nutzt die Pause und tauscht sich per WhatsApp-Videoanruf mit ihrer Tochter in der Heimat aus. Die Betreuungskraft braucht den täglichen Kontakt mit ihrer Familie. Wie geht es den Angehörigen? Wie ist die aktuelle Lage im Heimatland? Wie sieht der Tagesablauf ihrer Lieben aus? Als sich die Corona-Krise verschärfte, wäre Maria am liebsten direkt nach Hause gefahren. Opa Rudolfs Familie bestärkte sie darin, zunächst in Deutschland zu bleiben. In einem täglichen Telefonat wird sie von seinen Angehörigen mit Informationen zur aktuellen Situation versorgt. Maria fühlt sich mit ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen.

  1. Nehmen Sie die Befürchtungen ihrer Betreuungskraft ernst. Vermeiden Sie Verharmlosungen, schüren Sie aber keine zusätzliche Panik. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass sich informierte Menschen in Krisensituationen weniger bedroht fühlen. Halten Sie ihre Betreuungskraft daher über die aktuelle Situation auf dem Laufenden, gerade wenn deren Deutschkenntnisse nicht ganz so gut sind. Bedenken Sie: Die Berichterstattung in ausländischen Medien weicht häufig von der deutschen ab.
  2. Fragen Sie Ihre Betreuungskraft, ob eine Verlängerung der 24 Stunden Pflege möglich ist.
  3. Tun Sie etwas Gutes für Ihre Betreuungskraft. Neben einfühlsamem Zuhören und Bestätigung durch Dank und Lob fördern kleine Aufmerksamkeiten das Miteinander. Wie wäre es mit einem Blumenstrauß per fleurop.de oder einem Netflix-Abo?
  4. Bleiben Sie telefonisch oder virtuell in Kontakt und signalisieren damit: Wir sind für Dich da.

Körper und Geist fit halten

Noch vor dem Kaffeetrinken am Nachmittag besteht Maria auf einer Runde Gymnastik für Opa Rudolf. Auch wenn er dabei mürrisch ist: nach der Bewegung fühlt er sich besser. An schönen Tagen absolvieren die beiden das Programm auf dem Balkon. Mehr Spaß hat Opa Rudolf am täglichen Memory-Spiel. Auch wenn er mittlerweile ahnt, dass Maria ihn dabei oft gewinnen lässt …

  1. Moderater Sport beugt Depressionen und Vergesslichkeit vor. Gerade in Krisenzeiten darf die körperliche Bewegung bei Senioren nicht zu kurz kommen. Das gilt genauso für die Betreuungskräfte. Zur Entspannung dienen Atemübungen aus Yoga und Meditation. Denn auch wer keinen Sonnengruß schafft: bewusstes Ein- und Ausatmen tut allen gut!
  2. Brettspiele machen Spaß und lenken von Sorgen und Ängsten ab. Besonders geeignet sind Partien, welche die Merk- und Konzentrationsfähigkeit trainieren: zum Beispiel Memory oder Sudoku. Auch das Auswendiglernen von kurzen Gedichten und Liedern ist eine tolle Möglichkeit, das Gehirn fit zu halten.
  3. Der Besuch von kulturellen Veranstaltungen ist aktuell tabu. Wer dennoch nicht auf Konzerte verzichten möchte, lauscht den großen Orchestern unter:

Sorgen Sie für gute Laune!

Opa Rudolf und Maria machen es sich zum Nachmittagskaffee mit Käsekuchen gemütlich. Ein Highlight des Tages steht bevor: Die beiden schauen zusammen einen Spielfilm-Klassiker. Dabei haben sie eine Menge Spaß. Maria hat festgestellt, dass komplexe Informationen in Nachrichtensendungen Opa Rudolf überfordern und er schnell gereizt reagiert. Diese Formate stehen deshalb nur vereinzelt und zeitlich begrenzt auf dem Programm.

  1. Ablenkung und gute Gefühle sind gerade in Krisenzeiten wichtig für alle Beteiligten. Dazu gehört ein unterhaltsames TV-Angebot wie Komödien oder alte Krimis.
  2. Video-on-demand-Angebote und Online-Streaming-Dienste (Amazon, Maxdome, Netflix) bieten den Zuschauern ein vielfältiges Angebot an Spielfilmen sowie Natur- und Tierdokumentationen. Ein Blick in die Mediatheken von ARD und ZDF lohnt ebenfalls.
  3. Vermeiden Sie eine „Dauerberieselung“ zur aktuellen Lage! Unser Gehirn erinnert sich vor allem an negativen Botschaften und wir geraten rasch in eine Abwärtsspirale. Informieren Sie Ihre Betreuungskraft besser gezielt.

Kontakt halten mit Messengern und Video-Chat

Opa Rudolf ist traurig, weil ihn seine Kinder und Enkel im Moment nicht besuchen. Damit er seine Lieben trotzdem sehen und mit ihnen sprechen kann, nutzt er die Möglichkeiten der Videotelefonie. Sein Sohn hat ihm ein Smartphone und eine PrePaid-Karte geschenkt. Maria half ihm, Whatsapp und Skype zu installieren. Jeden Nachmittag um 17.30 Uhr spricht er mit einem seiner Enkel – mittlerweile mit großem Vergnügen. Seine Tochter ruft er nach wie vor auf dem Festnetz-Telefon an. Sie hat der modernen Technik gegenüber ihre Vorbehalte …

  1. Etliche Messenger bieten die Möglichkeit zum Videochat (WhatsApp, Facebook, Skype). Wer lieber schriftlich kommuniziert, nutzt die herkömmlichen Funktionen. Fotos und Videos lassen sich trotzdem verschicken.
  2. Machen Sie von den heutigen technischen Möglichkeiten Gebrauch, um in Echtzeit mit Ihren Lieben zu kommunizieren. Nach anfänglicher Skepsis sind auch Pflegebedürftige meist sehr begeistert – eine vertraute Stimme und ein bekanntes Gesicht schenken Sicherheit und Vertrauen. Verabreden Sie sich zu festen Zeiten und binden Sie die Betreuungskraft ein.

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