Von Pflegegeld bis Rollator: was die Pflegekassen bezahlen

Wer aufgrund k√∂rperlicher oder geistiger Einschr√§nkungen pflegebed√ľrftig ist und nach entsprechender Antragstellung in einen Pflegegrad eingestuft wird, hat ein Anrecht auf unterst√ľtzende Pflegeleistungen durch die Pflegekassen.

Um Pflegeleistungen voll in Anspruch nehmen zu können, muss der oder die Versicherte in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre als Mitglied in die Pflegekasse eingezahlt haben oder familienversichert gewesen sein.

Wir erkl√§ren Ihnen hier ausf√ľhrlich, was sich hinter den einzelnen Leistungen der Pflegekasse verbirgt. Eine √úbersicht √ľber alle Leistungen finden Sie in unserer √úbersichtstabelle am Ende der Seite.

Hinter dem Begriff Pflegeleistungen verbergen sich alle Zusch√ľsse der gesetzlichen und privaten Pflegekassen, auf die Versicherte nach Anerkennung eines Pflegegrads Anspruch haben. Vorraussetzung f√ľr den Erhalt von Leistungen ist also ein Pflegegrad.

Die Pflegeversicherung bezuschusst die Kosten f√ľr die Pflege- und Betreuungsleistungen durch Angeh√∂rige, Betreuungskr√§fte oder professionelle Pflegekr√§fte. Die Pflege kann dabei entweder in der h√§uslichen Umgebung des Pflegebed√ľrftigen oder in einer Pflegeeinrichtung stattfinden.

F√ľr Kosten, die auch ohne Pflegebed√ľrftigkeit anfallen w√ľrden (z.B. Wohnen und Essen) kommt die Pflegeversicherung grunds√§tzlich nicht auf. Deshalb muss jeder Pflegebed√ľrftige einen Teil der Kosten selbst tragen.

 

Pflegegeld

Die polnische Pflegekraft Danuta leistet Opa Otto Gesellschaft

Pflegegeld erh√§lt ein Pflegebed√ľrftiger mit mindestens Pflegegrad 2, wenn dieser in h√§uslicher Umgebung von ihm nahestehenden Personen gepflegt wird. Die Pflege wird in diesem Fall beispielsweise von Angeh√∂rigen, Nachbarn oder von osteurop√§ischen Pflegekr√§ften erbracht.

Das Pflegegeld wird den Pflegebed√ľrftigen von der Pflegekasse monatlich √ľberwiesen, und der Pflegebed√ľrftige bestimmt selbst, wof√ľr das Geld ausgegeben wird.

Das Pflegegeld kann mit Pflegesachleistungen kombiniert werden. Zum Beispiel mit einer tag- oder stundenweisen Unterst√ľtzung durch einen ambulanten Pflegedienst. Man spricht dann von Kombinationspflege.

Pflegegrad 1 0 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 2 316 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 3 545 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 4 728 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 5 901 ‚ā¨ pro Monat
gesetzl. Grundlage SGB XI § 37

Betroffene mit Pflegegrad 1 erhalten kein Pflegegeld. Sie haben jedoch Anspruch auf 125 EUR Entlastungsbetrag monatlich, mit dem Pflegedienstleistungen bezahlt werden können.

Pflegesachleistungen

ambulanter Pflegedienst Injektion

Unter dem Begriff ‚ÄěPflegesachleistungen‚Äú versteht man finanzielle Mittel, die f√ľr die Pflege durch einen Pflegedienstleister mit Kassenzulassung verwendet werden k√∂nnen. Ambulante Pflegedienste oder Seniorenheime sind Beispiele f√ľr solche Dienstleister. F√ľr die Unterst√ľtzung durch private Pflege- und Betreuungskr√§fte wie etwa Verwandte, Nachbarn oder 24h-Betreuer k√∂nnen diese Mittel nicht verwendet werden.

Die Pflegesachleistungen werden direkt zwischen dem Pflegedienstleister und der Pflegekasse abgerechnet. Dabei werden die Dienstleistungen bis zu einem festgesetzten Höchstbetrag bezahlt, der wiederum vom Pflegegrad abhängt.

Im Falle einer Kombinationspflege kann anteilig noch Pflegegeld bezogen werden, falls die Pflegesachleistungen nicht vollständig beansprucht werden.

Pflegegrad 1 0 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 2 689 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 3 1.298 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 4 1.612 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 5 1.995 ‚ā¨ pro Monat
gesetzliche Grundlage SGB XI § 36

Betroffene mit Pflegegrad 1 erhalten keine Pflegesachleistungen. Sie haben jedoch Anspruch auf 125 EUR Entlastungsbetrag monatlich, mit dem Pflegedienstleistungen bezahlt werden können.

Kombinationspflege

In vielen Pflege-Situationen ist die Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistungen sowohl organisatorisch als auch finanziell sinnvoll. Von ‚ÄěKombinationspflege‚Äú spricht man wenn die Betreuung zu Hause durch Leistungen eines externen zertifizierten Dienstleisters erg√§nzt werden.

Ein Angeh√∂riger oder eine Betreuungskraft k√ľmmert sich um die Grundpflege und den Haushalt. Der ambulante Pflegedienst √ľbernimmt die Behandlungspflege, das heisst die medizinische Versorgung.

Wenn Sie weniger Pflegesachleistung f√ľr den Pflegedienst verwenden, als Ihnen nach dem Pflegegrad zusteht, so kann der Restbetrag prozentual als Pflegegeld ausbezahlt werden. Nutzen Sie also nur 60 % der Pflegesachleistungen pro Monat, erhalten Sie zus√§tzlich noch 40 % des Ihnen zustehenden Pflegegeldes.

Die Kombinationspflege ist ab Pflegegrad 2 m√∂glich und muss bei der Pflegekasse beantragt werden. Dazu gen√ľgt ein formloses Schreiben.

Beispielrechnung Kombinationspflege

Herr M√ľller hat Pflegegrad 3 und wird zuhause von seiner polnischen Betreuungskraft Maria betreut. Zus√§tzlich hat Herr M√ľller einen ambulanten Pflegedienst engagiert. Betreuungskraft Maria und der Pflegedienst erg√§nzen sich. Maria k√ľmmert sich um den Haushalt und die Grundpflege. Der ambulante Pflegedienst √ľbernimmt alle Aufgaben der Behandlungspflege wie etwa Spritzen verabreichen.

Folgende Mittel der Pflegekasse kann Herr M√ľller verwenden:

  • entweder 1.298 Euro f√ľr Pflegesachleistungen
  • oder 545 Euro Pflegegeld
  • oder eine anteilige Kombination aus Pflegesachleistungen und Pflegegeld

Der ambulante Pflegedienst stellt Herrn M√ľller monatlich 780 Euro in Rechnung. Das entspricht 60 % des ihm zustehenden Betrags der Pflegesachleistungen. Die nicht genutzten 40 % darf er nun anteilig aus dem Topf des Pflegegelds entnehmen. Herr M√ľller erh√§lt also 40 % des ihm zustehenden Pflegegelds, das sind zus√§tzlich 218 Euro.

Eine Kombinationspflege macht also nicht nur aus organisatorischer, sondern auch aus finanzieller Sicht in vielen Fällen Sinn. Sprechen Sie uns bei Fragen hierzu bitte jederzeit an.

Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag in H√∂he von 125 Euro monatlich steht allen Pflegebed√ľrftigen zu sobald die Pflegebed√ľrftigkeit festgestellt wurde und er oder sie zu Hause gepflegt wird.

Der Entlastungsbetrag dient der Entlastung von Angehörigen und Betreuungskräften. Mit dem Entlastungsbetrag finanzieren Sie stunden- oder tageweise Leistungen aus folgenden Bereichen:

  • Leistungen der Tages- oder Nachtpflege
  • Leistungen der Kurzzeitpflege
  • Leistungen der ambulanten Pflegedienste
  • Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterst√ľtzung im Alltag.

Zu den Angeboten zur UnterstuŐątzung im Alltag geh√∂ren beispielsweise:

  • Alltagsbegleitung
  • Pflegebegleitung
  • Serviceangebote fuŐąr haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Betreuungsgruppen fuŐąr an Demenz erkrankte Menschen
  • Helferkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender AngehoŐąriger
  • Tagesbetreuung in Kleingruppen oder Einzelbetreuung
  • Dienste von Vermittlungsagenturen von Betreuungs- und Entlastungsleistungen
  • Familienentlastende Dienste
Pflegegrad 1 125 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 2 125 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 3 125 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 4 125 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 5 125 ‚ā¨ pro Monat
Gesetzliche Grundlage SGB XI § 45b

Beim Entlastungsbetrag handelt es sich um einen Anspruch auf Kostenerstattung. Das bedeutet, der Entlastungsbetrag wird nur ausgezahlt, wenn auch eine entsprechende Leistung in Anspruch genommen wird.

Der Pflegebed√ľrftige tritt zun√§chst in Vorleistung und reicht anschlie√üend die Quittungen und Belege bei seiner Pflegekasse ein. Ein gesonderter Antrag muss nicht gestellt werden.

Der Pflege- oder Entlastungsdienst kann auch direkt mit der Pflegekasse abrechnen, wenn Sie eine Abtretungserkl√§rung abgeben. Mit der Abtretungserkl√§rung gestatten Sie dem Dienstleister den Datenaustausch mit der Pflegeversicherung. In diesem Fall m√ľssen Sie nicht in Vorkasse treten.

Tipp

Sollten Sie den Entlastungsbetrag von insgesamt 1.500 Euro jährlich nicht ausgeschöpft haben, so können Sie den verbliebenen Betrag noch bis zum 30. Juni des Folgejahres geltend machen.

Pflegehilfsmittel

Bei Pflegehilfsmitteln handelt es sich um Mittel zur Erleichterung der Pflege und der Hygiene. Die Pflegekassen unterscheiden dabei zwischen Verbrauchsmitteln (bspw. Windeln oder Desinfektionsmittel) und technischen Pflegehilfsmitteln (bspw. Pflegebett oder Rollator). Beide Arten von Pflegehilfsmitteln sollen die Pflege zu Hause erleichtern und die Selbst√§ndigkeit des Pflegebed√ľrftigen unterst√ľtzen.

Das Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbands der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen listet alle Produkte, f√ľr die die Kosten √ľbernommen werden oder die die Kasse Ihrem Angeh√∂rigen leihweise √ľberl√§sst:

  • Produktgruppe 50 ‚Äď Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege
  • Produktgruppe 51 ‚Äď Pflegehilfsmittel zur K√∂rperpflege/Hygiene
  • Produktgruppe 52 ‚Äď Pflegehilfsmittel zur selbstst√§ndigeren Lebensf√ľhrung/Mobilit√§t
  • Produktgruppe 53 ‚Äď Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden
  • Produktgruppe 54 ‚Äď Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

Die Kostenerstattung kann direkt bei der Krankenkasse beantragt werden. Der Antrag muss normalerweise nur einmal von der Kasse positiv beschieden werden. Der Pflegebed√ľrftige bekommt die ben√∂tigten Hilfsmittel daraufhin monatlich zugesandt. Verschiedene Dienstleister bieten entsprechende Abonnements an und rechnen direkt mit Ihrer Pflegekasse ab.

Pflegehilfsmittel sind immer bewegliche Gegenst√§nde. Wenn Sie einen Treppenlift oder ein barrierefreies Badezimmer ben√∂tigen, lesen Sie bitte den Abschnitt ‚ÄěZusch√ľsse zur Wohnraumanpassung‚Äú.

Verbrauchsmittel

Desinfektion

Findet die Pflege zuhause durch Angehörige oder eine Betreuungskraft statt, werden von der Kasse Pflegehilfsmittel in Form einer Pauschale in Höhe von 40 Euro pro Monat finanziert. Dazu ist keine ärztliche Bescheinigung oder ein Rezept notwendig.

Produktgruppe 54: Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

  • Saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch
  • Schutzbekleidung (Einmalhandschuhe, Schutzsch√ľrzen, Fingerlinge, Mund-Nasen-Schutz)
  • Desinfektionsmittel

Technische Pflegehilfsmittel

Neben den o.g. Verbrauchsmitteln k√∂nnen Sie auch technische Pflegehilfsmittel beantragen, die oft leihweise von der Kasse zur Verf√ľgung gestellt werden. Bei manchen dieser Hilfsmittel muss der Pflegebed√ľrftige einen Zuschuss leisten.

Produktgruppe 50: Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege

  • Pflegebetten
  • Pflegebettenzubeh√∂r
  • Pflegebettzurichtungen
  • Spezielle Pflegebett-Tische
  • Pflegeliegest√ľhle

Produktgruppe 51: Pflegehilfsmittel zur Körperpflege/Hygiene

  • Waschsysteme
  • Duschwagen
  • Produkte zur Hygiene im Bett (Bettpfannen, Urinflaschen, Urinschiffchen, wiederverwendbare saugende Bettschutzeinlagen)

Produktgruppe 52: Pflegehilfsmittel zur selbst√§ndigeren Lebensf√ľhrung/Mobilit√§t

  • Hausnotrufsysteme, Solit√§rger√§te
  • Hausnotrufsysteme, angeschlossen an eine Zentrale

Produktgruppe 53: Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden

  • Lagerungsrollen
  • Lagerungshalbrollen

Erholung f√ľr Angeh√∂rige und Betreuungskr√§fte – Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Tagespflege und Nachtpflege

Entlastung während der Pflege

Pflege kostet viel Kraft. Um Angeh√∂rige und Betreuungskr√§fte zu entlasten, stellt Ihre Pflegekasse Ihnen finanzielle Mittel zur Verf√ľgung. Diese Mittel k√∂nnen Sie f√ľr stunden- oder tageweise Pflege zuhause oder in einer station√§ren Einrichtung verwenden. Beispielsweise f√ľr einen Urlaub, f√ľr den Besuch eines Yogakurses oder w√§hrend einer Umbauma√ünahme.

Je nach Leistung k√∂nnen j√§hrlich bestimmte Betr√§ge abgerufen und zum Teil auch miteinander kombiniert werden. Durch geschickte Kombination k√∂nnen Sie die zur Verf√ľgung stehenden Mittel steigern.

Kurzzeitpflege

F√ľr Pflegebed√ľrftige der Pflegegrade 2 bis 5 besteht Anspruch auf Pflege in einer von den Pflegekassen zur Kurzzeitpflege zugelassenen vollstation√§ren Pflegeeinrichtung. Die Kurzzeitpflege kann f√ľr bis zu 8 Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden. Daf√ľr steht ein Gesamtbetrag von 1.612 Euro im Kalenderjahr zur Verf√ľgung.

In Kombination mit nicht in Anspruch genommenen Mitteln aus der Verhinderungspflege (siehe unten) kann der Betrag auf insgesamt bis zu 3.224 Euro pro Jahr erhöht werden.

Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Kurzzeitpflege.

Verhinderungspflege

Während bei der Kurzzeitpflege die Betreuung immer stationär erbracht wird, kann die Verhinderungspflege auch in häuslicher Umgebung geleistet werden.

Ab dem Pflegegrad 2 besteht ein Anspruch auf¬† 42 Tage Verhinderungspflege pro Jahr in H√∂he von bis zu 1.612 Euro. Voraussetzung ist, dass der Pflegebed√ľrftige seit mindestens sechs Monaten zuhause gepflegt wird.

Werden die Mittel der Verhinderungspflege nur teilweise oder gar nicht genutzt, k√∂nnen sie stattdessen f√ľr die Kurzzeitpflege verwendet werden. F√ľr die Pflege in einer station√§ren Einrichtung stehen dann bis zu 3.224 Euro pro Jahr zur Verf√ľgung. Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Verhinderungspflege.

Tages- und Nachtpflege

Tages- und Nachtpflege

Die Tages- oder Nachtpflege ist eine teilstation√§re Pflegeleistung. Die Leistungen eignen sich besonders f√ľr Pflegebed√ľrftige, die zu Hause versorgt werden. Insbesondere dann, wenn Pflegebed√ľrftige aufgrund k√∂rperlicher oder seelischer Beeintr√§chtigungen st√§ndige Betreuung ben√∂tigen und nicht alleine gelassen werden k√∂nnen.

Die Tages- und Nachtpflege bietet sich als Erg√§nzungsleistung an, wenn Angeh√∂rige tags√ľber berufst√§tig sind oder Betreuungskr√§fte eine Pause ben√∂tigen. Manche Pflegesituationen k√∂nnen eine Betreuung w√§hrend der Nacht erfordern. Beispielsweise wenn ein Mensch mit Demenz nachts besonders aktiv ist oder f√ľr Patienten, die auch nachts medizinisch behandelt oder √ľberwacht werden m√ľssen.

Detaillierte Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Tages- und Nachtpflege.

Pflegegrad 1 0 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 2 689 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 3 1.298 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 4 1.612 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 5 1.995 ‚ā¨ pro Monat
gesetzliche Grundlage SGB XI § 41

Tages- und Nachtpflege zusätzlich zum Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Seit das Pflegestärkungsgesetz I zum 01.01.2015 in Kraft getreten ist, kann man die Tages- und Nachtpflege neben der ambulanten Pflegesachleistung und dem Pflegegeld beanspruchen. Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege werden also nicht mehr auf die Pflegesachleistung oder das Pflegegeld angerechnet. Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege können daher zusätzlich in Anspruch genommen werden.

Zusch√ľsse zur Wohnraumanpassung

seniorengerechte umbaumaßnahmen

Die Pflegekasse gew√§hrt auf Antrag einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro f√ľr Ma√ünahmen der barrierefreien Wohnraumanpassung. Macht ein gestiegener Hilfebedarf weitere Umbauma√ünahmen erforderlich, gew√§hrt die Kasse den Zuschuss gegebenenfalls erneut.

Die F√∂rderung kann z.B. f√ľr einen barrierefreien Umbau des Badezimmers, den Einbau eines Treppenlifts oder die Installierung eines Hausnotrufsystems genutzt werden.

Voraussetzung ist, dass mindestens eine der folgenden Kriterien erf√ľllt ist:

  • Der Umbau erm√∂glicht die h√§usliche Pflege √ľberhaupt erst
  • Die Ma√ünahme erleichtert die h√§usliche Pflege erheblich und verringert die Belastung f√ľr den Pflegebed√ľrftigen oder die Pflegepersonen
  • Die Umbauma√ünahme erm√∂glicht eine selbstst√§ndigere Lebensf√ľhrung

Leben mehrere Pflegebed√ľrftige in einer gemeinsamen Wohnung oder einer Pflege-WG, so betragen die Zusch√ľsse f√ľr Ma√ünahmen zur Verbesserung des gemeinsamen Wohnumfeldes 4.000 Euro pro Pflegebed√ľrftigem. Der Gesamtbetrag je Ma√ünahme ist insgesamt auf 16.000 Euro begrenzt.

Tipp

Auch ein Umzug kann als Ma√ünahme zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes angesehen werden, wenn in einer anderen Wohnung den Anforderungen des Pflegebed√ľrftigen besser Rechnung getragen wird.

Förderung von Wohngruppen

Senioren-WG

Pflegebed√ľrftige mit Pflegegrad 1-5, die in ambulant betreuten Pflege-WGs oder anderen Einrichtungen f√ľr betreutes Wohnen leben, haben Anspruch auf einen pauschalen Zuschuss in H√∂he von 214 Euro monatlich.

Die Voraussetzung f√ľr den Bezug dieser Leistung ist, dass Betroffene bereits entweder ambulante Sachleistungen, Pflegegeld, Kombinationsleistungen oder weitere Angebote zur Unterst√ľtzung im Alltag und/oder den Entlastungsbetrag in Anspruch nehmen.

Eine Pflege-WG muss aus mindestens drei und h√∂chstens 12 Bewohnern bestehen. Dabei m√ľssen mindestens drei der Bewohner pflegebed√ľrftig sein, also einen Pflegegrad haben.

Pflegegrad 1 214 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 2 214 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 3 214 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 4 214 ‚ā¨ pro Monat
Pflegegrad 5 214 ‚ā¨ pro Monat
gesetzliche Grundlage SGB XI § 38a

Renten- und Unfallversicherung f√ľr Pflegende

Angeh√∂rige, Freunde oder Nachbarn, die Pflegebed√ľrftige ab Pflegegrad 2 zu Hause betreuen, haben ein Anrecht auf Zahlung von Rentenversicherungsbeitr√§gen. Dabei zahlt die Pflegekasse zwischen 94,74 und 566,37 Euro monatlich in die Rentenkasse ein. So ergibt ein Jahr Pflege eines Angeh√∂rigen oder Nahestehenden einen monatlichen Rentenanspruch zwischen 5,39 und 29,94 Euro.

Die Bezugsberechtigung der pflegenden Person wird im Rahmen der Pflegegrad-Feststellung durch den Gutachter festgehalten. Folgende Voraussetzungen m√ľssen dabei von der Pflegekraft erf√ľllt werden:

  • sie pflegt wenigstens 10 Stunden pro Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage
  • sie ist h√∂chstens 30 Stunden pro Woche erwerbst√§tig
  • die zu pflegende Person muss mindestens √ľber Pflegerad 2 verf√ľgen
  • die Pflege findet in h√§uslicher Umgebung (nicht in einem Heim) statt

Werden mehrere Personen pflegerisch betreut, muss f√ľr jede Person der individuelle Pflegeaufwand im Gutachten dokumentiert werden.

Pflegende Personen sind auch √ľber die gesetzliche Unfallversicherung gesch√ľtzt. Die Pflegekasse entrichtet zudem Beitr√§ge bei der Bundesagentur f√ľr Arbeit. Die Anmeldepflicht bei den Renten- und Unfallversicherungstr√§gern sowie der Bundesagentur f√ľr Arbeit obliegt den Pflegekassen. Diese m√ľssen Sie √ľber die Anmeldungen informieren.

Pflegegrad bezogene Leistung Rentenzahlbetrag West / Monat Rentenzahlbetrag Ost / Monat
2 Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
8,34 Euro
7,09 Euro
5,84 Euro
7,96 Euro
5,76 Euro
5,57 Euro
3 Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
13,29 Euro
11,29 Euro
9,30 Euro
12,68 Euro
10,77 Euro
8,87 Euro
4 Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
21,63 Euro
18,39 Euro
15,14 Euro
20,63 Euro
17,54 Euro
14,44 Euro
5 Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
30,90 Euro
26,27 Euro
21,63 Euro
29,48 Euro
25,06 Euro
20,63 Euro

Pflegeunterst√ľtzungsgeld

Bei akut auftretendem Pflegebedarf eines Angeh√∂rigen haben Sie Anspruch auf Freistellung von Ihrer Arbeit und auf eine Lohnersatzleistung, das sogenannte Pflegeunterst√ľtzungsgeld. Das Pflegeunterst√ľtzungsgeld wird auf Antrag von der Pflegekasse oder dem Versicherungsunternehmen des Pflegebed√ľrftigen gew√§hrt. Auf Wunsch sind nach dem Pflegezeitgesetz auch Vereinbarungen der tempor√§ren Teilzeitbesch√§ftigung m√∂glich.

Sie haben einen Rechtsanspruch darauf

  • der Arbeit bis zu zehn Tage fernzubleiben
  • f√ľr eine bis zu sechs Monate dauernde Pflegezeit von der Arbeit freigestellt zu werden

Berechtigte Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind:

  • Gro√üeltern, Eltern, Schwiegereltern, Stiefeltern
  • Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer ehe√§hnlichen oder lebenspartnerschafts√§hnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Ehegatten der Geschwister und Geschwister der Ehegatten, Lebenspartner der Geschwister und Geschwister der Lebenspartner
  • Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder, die Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners, Schwiegerkinder und Enkelkinder

Pflegeberatung und Pflegekurse

Beratung und Betreuung

Wohlfahrtsverb√§nde, Sozialdienste, Pflegest√ľtzpunkte und andere Dienstleister bieten kostenlose Pflegeberatung f√ľr Pflegebed√ľrftige und deren Angeh√∂rige an. Sie geben dabei Informationen zur Organisation der Pflege, zur Unterst√ľtzung durch die Pflegekassen und zu Hilfsangeboten in der N√§he. Au√üerdem bieten sie Hilfestellung bei Antr√§gen und beim Erstellen eines individuellen Pflegeplans. Die Beratung erfolgt meist zu Hause. Die Beratung ist mehrfach m√∂glich, solange der Pflegebedarf besteht.

Weiterf√ľhrende Informationen finden Sie hier:

In allgemeinen oder spezialisierten Pflegekursen lernen Angeh√∂rige den praktischen Umgang mit Pflegebed√ľrftigen. In Spezialkursen werden Fakten und Behandlungsstrategien zu bestimmten Krankheiten vermittelt. Die Pflegekassen bieten diese Kurse meist √ľber Dienstleister wie Wohlfahrtsverb√§nde, Gemeinden oder Volkshochschulen an. F√ľr Pflegende sind sie in der Regel kostenlos.

Ihre Pflegekasse informiert Sie auf Anfrage √ľber entsprechende Angebote in Ihrer N√§he.

L√§nderzusch√ľsse in Baden-W√ľrttemberg und Bayern

In Baden-W√ľrttemberg leistet das Sozialamt die sogenannte ‚ÄěHilfe zur Pflege‚Äú, wenn die Pflegekasse die Pflegekosten einer Person nicht ausreichend deckt und auch keine eigenen Mittel beim Pflegebed√ľrftigen und dessen Verwandten ersten Grades vorhanden sind. Auch wenn ein Mensch nicht √ľber die Pflegekasse versichert gewesen ist, k√∂nnen mit der ‚ÄěHilfe zur Pflege‚Äú die Pflegekosten gedeckt werden.

Das „Landespflegegeld“ ist eine Leistung, die das Bundesland Bayern seinen B√ľrgern unabh√§ngig von Einkommen und Verm√∂gen gew√§hrt. Es wird auf Antrag zus√§tzlich zu den Leistungen der Pflegekassen ausgezahlt. Wenn Sie einen Pflegegrad und Ihren Wohnsitz in Bayern haben, k√∂nnen Sie hier das Antragsformular auf Landespflegegeld als PDF herunterladen.

Psychologische Beratung f√ľr Pflegende

Pflegende können sich kostenlos und auf Wunsch anonym von geschulten Psychologen unter www.pflegen-und-leben.de beraten lassen. Die Beratung erfolgt telefonisch, per E-Mail oder im Chat.

Selbsthilfegruppen und Onlineforen

Hier tauschen Pflegende sich √ľber Erfahrungen, Probleme und L√∂sungswege aus. Die Angebote sind kostenlos.

Weitere Informationen z.B. unter:

Alle Leistungen im tabellarischen √úberblick

Leistungen Turnus Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5 SGB XI
Pflegeberatung ja ja ja ja ja § 7a
Beratung zu Hause ja halbjährlich halbjährlich vierteljährlich vierteljährlich § 37
Pflegekurse ja ja ja ja ja § 45
Pflegesachleistung monatlich 0 ‚ā¨ 689 ‚ā¨ 1.298 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.995 ‚ā¨ ¬ß 36
Pflegegeld monatlich 0 ‚ā¨ 316 ‚ā¨ 545 ‚ā¨ 728 ‚ā¨ 901 ‚ā¨ ¬ß 37
Tages-und Nachtpflege monatlich 0 ‚ā¨ 689 ‚ā¨ 1.298 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.995 ‚ā¨ ¬ß 41
Entlastungsbetrag monatlich 125 ‚ā¨ 125 ‚ā¨ 125 ‚ā¨ 125 ‚ā¨ 125 ‚ā¨ ¬ß 45b
Verhinderungspflege j√§hrlich 0 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ ¬ß 39
Verhinderungspflege inklusive Aufstockung Kurzzeitpflege j√§hrlich 0 ‚ā¨ 2.418 ‚ā¨ 2.418 ‚ā¨ 2.418 ‚ā¨ 2.418 ‚ā¨ ¬ß 39
Kurzzeitpflege j√§hrlich 0 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ 1.612 ‚ā¨ ¬ß 42
Kurzzeitpflege inklusive Aufstockung Verhinderungspflege j√§hrlich 0 ‚ā¨ 3.224 ‚ā¨ 3.224 ‚ā¨ 3.224 ‚ā¨ 3.224 ‚ā¨ ¬ß 42
Kombinationsleistung nein möglich möglich möglich möglich § 38
Umwandlung 40 % ambulanter Sachleistungsbetrag nein möglich möglich möglich möglich § 45a
Zus√§tzliche Leistungen in ambulant betreuten Wohngruppen monatlich 214 ‚ā¨ 214 ‚ā¨ 214 ‚ā¨ 214 ‚ā¨ 214 ‚ā¨ ¬ß 38a
Pflegehilfsmittel monatlich 40 ‚ā¨ 40 ‚ā¨ 40 ‚ā¨ 40 ‚ā¨ 40 ‚ā¨ ¬ß 40 Absatz 2
Zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen ja ja ja ja ja § 43b
Wohnumfeldverbessernde Ma√ünahmen je Ma√ünahmen je Ma√ünahme 4.000 ‚ā¨ 4.000 ‚ā¨ 4.000 ‚ā¨ 4.000 ‚ā¨ 4.000 ‚ā¨ ¬ß 40 Abs. 4
Leistungen zur sozialen Sicherung der Pflegepersonen nein ja ja ja ja § 44
Zusätzliche Leistungen bei Pflegezeit und kurzzeitiger Arbeitsverhinderung nein ja ja ja ja § 44a
Vollstation√§re Pflege monatlich 125 ‚ā¨ 770 ‚ā¨ 1.262 ‚ā¨ 1.775 ‚ā¨ 2.005 ‚ā¨ ¬ß 43
Pflege in vollstation√§ren Einrichtungen der Hilfe f√ľr behinderte Menschen monatlich 0 ‚ā¨ 266 ‚ā¨ 266 ‚ā¨ 266 ‚ā¨ 266 ‚ā¨ ¬ß 43a
Zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen ja ja ja ja ja § 43b