Verhinderungspflege: Erholungszeit für pflegende Angehörige

Ein Familienmitglied zu pflegen, bringt oft starke körperliche und psychische Belastungen für den oder die pflegenden Angehörigen mit sich. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig eine Auszeit von der Pflege zu nehmen, aufzutanken und seine eigenen Kräfte wieder zu stärken. Mit der Verhinderungspflege ermöglicht die Pflegekasse pflegenden Angehörigen für bis zu 6 Wochen im Jahr eine solche Auszeit, wobei sichergestellt wird, dass der hilfebedürftige Vater oder die Mutter weiterhin gut versorgt ist.

Definition Verhinderungspflege laut § 39 Sozialgesetzbuch: „Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson“

Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Verhinderung mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat und der Pflegebedürftige zum Zeitpunkt der Verhinderung mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist.

Die Aufwendungen der Pflegekasse können sich im Kalenderjahr auf bis zu 1.612 Euro belaufen, wenn die Ersatzpflege durch andere Pflegepersonen sichergestellt wird als solche, die mit dem Pflegebedürftigen bis zum zweiten Grade verwandt oder verschwägert sind oder die mit ihm in häuslicher Gemeinschaft leben.

Der Leistungsbetrag kann um bis zu 806 Euro aus noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Kurzzeitpflege auf insgesamt bis zu 2.418 Euro im Kalenderjahr erhöht werden.

Die Verhinderungspflege steht jedem pflegenden Angehörigen für bis zu sechs Wochen (=42 Tage) jährlich zu, vorausgesetzt es liegt mindestens Pflegegrad 2 vor, und der Pflegebedürftige wird bereits seit mindestens sechs Monaten in häuslicher Umgebung gepflegt. Das Pflegegeld wird durch die Verhinderungspflege nicht gekürzt. Eine Kombination der Leistungen der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind miteinander frei kombinierbar. Die Verhinderungspflege muss nicht zwingend im Vorfeld beantragt werden, sondern kann auch rückwirkend geltend gemacht werden – bis zu vier Jahre. Wichtig ist nur, dass während der Verhinderungspflege alle Belege und Nachweise zu den Aufwendungen gesammelt werden, um sie später bei der Pflegekasse einzureichen.

Zu beachten ist, dass es sich bei der Hauptpflegeperson, die die Verhinderungspflege durchführt, nicht um die Ehefrau oder den Ehemann des Pflegebedürftigen handeln darf. Es kommen aber alle anderen Personen in Frage, die den Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen. Ersatz können ambulanter Pflegedienst, Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn sein.

Verhinderungspflege durch nicht verwandte Personen

Es steht Ihnen grundsätzlich frei, welche Person(en) die Verhinderungspflege in Ihrer Abwesenheit durchführen sollen. Es gibt aber Unterschiede bei der Kostenerstattung durch die Pflegekasse –  je nachdem wer dafür engagiert wird. Werden Freunde, Nachbarn, Haushaltshilfen oder professionelle Dienstleister für die Verhinderungspflege beauftragt, besteht Anspruch auf das volle Verhinderungspflegegeld in Höhe von 1612€ pro Jahr. Belege der Auslagen müssen der Pflegekasse vorgelegt werden. Ambulante Pflegedienste können die entstandenen Kosten direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

Verhinderungspflege durch verwandte oder verschwägerte Personen

Bei der Verhinderungspflege durch Angehörige, d.h. verwandte oder verschwägerte Personen bis zum 2. Grad und Personen, die im selben Haushalt gemeldet sind, steht Ihnen lediglich der 1.5fache Betrag des monatlichen Pflegegelds nach Pflegegrad zu, nicht die 1.612€.

Folgende Ersatzpflegepersonen können also nicht aus Mitteln der Verhinderungspflege bezahlt werden: Eltern, Kinder, Großeltern, Enkelkinder, Geschwister, Stiefeltern, Stiefkinder, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Verschwägerte, Mitbewohner (d.h. unter derselben Adresse gemeldete Personen). Geltend machen kann dieser Personenkreis aber Verdienstausfall oder hohe Fahrtkosten, sofern sie das 1,5fache Pflegegeld übersteigen. Diese Aufwendungen müssen jedoch durch entsprechende Belege nachgewiesen werden.

Leistungen der Verhinderungspflege

Die Ersatzpflegekraft ist eine Laienkraft und übernimmt während der Verhinderungspflege folgende Aufgaben:

Grundpflege

  • Körperpflege
  • Mundpflege
  • Toilettengang,
  • evtl. Katheterpflege und Stomaversorgung
  • Ernährung
  • Mobilisierung

Daneben kümmert sie sich um die hauswirtschaftliche Versorgung,

  • Einkauf von Lebensmitteln und Alltagsgegenständen,
  • das Zubereiten von Mahlzeiten,
  • die Reinigung der Wohnung und
  • das Waschen und Bügeln von Kleidung

Sie übernimmt keine medizinische Behandlungspflege. Hierzu muss ein ambulanter Pflegedienst mit einbezogen werden.

Verhinderungspflege in Kombination mit Kurzzeitpflege

Personen mit Pflegegrad haben zusätzlich zur Verhinderungspflege auch ein Anrecht auf Kurzzeitpflege, also die Pflege in einer vollstationären Einrichtung für einen Zeitraum bis maximal 4 Wochen pro Jahr. Ist das Jahresbudget für die Kurzzeitpflege noch nicht aufgebraucht, so können die dafür vorgesehenen Mittel bis zu einer Höhe von 806€ für die Verhinderungspflege genutzt werden.

Das Pflegegeld wird während der Zeit der Verhinderungspflege nicht gekürzt. Personen, die zu Hause von Angehörigen gepflegt werden, haben auch während der Verhinderungspflege weiterhin vollen Anspruch auf Pflegegeld entsprechend ihres Pflegegrads.

Vergleich Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

Kurzzeitpflege

  • ausschließlich in vollstationären Einrichtungen möglich

  • für Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5

  • von der Pflegekasse bis zu 8 Wochen pro Jahr (56 Tage) bezuschusst

  • Kosten bis zu 1.612 Euro werden übernommen

  • Höchstbetrag von 3.224 Euro in Kombination mit ungenutzten Leistungen aus der Verhinderungspflege möglich

  • zusätzlicher Anspruch auf Pflegegeld in halber Höhe für bis zu vier Wochen

Verhinderungspflege

  • im eigenen Zuhause möglich

  • für Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5

  • von der Pflegekasse bis zu 6 Wochen/Jahr (=42 Tage) bezuschusst

  • Kosten bis zu 1.612 Euro werden übernommen

  • Höchstbetrag von 2.418 Euro in Kombination mit ungenutzten Leistungen aus der Kurzzeitpflege möglich

Verhinderungspflege für wenige Stunden

Es muss nicht gleich der große Jahresurlaub sein – Verhinderungspflege (genauer: „Ersatz bei Abwesenheit der Pflegeperson“) können Sie auch stundenweise in Anspruch nehmen, zum Beispiel, wenn Sie nur mal kurz zum Friseur, zum Arzt oder ins Theater gehen wollen. Für diese stundenweise Verhinderung können Sie auch eine stundenweise Ersatzpflege bei der Pflegekasse beantragen. Bei einer Abwesenheit von weniger als acht Stunden wird Ihnen diese Leistung nicht auf die 42 Tage Verhinderungspflege angerechnet, die Ihnen pro Jahr zustehen. Auch das Pflegegeld wird dadurch nicht gekürzt.