Kurzzeitpflege als Übergangslösung

Wenn Ihr Angehöriger mindestens den Pflegegrad 2 hat und zeitweise nicht zu Hause betreut werden kann, bezuschusst die Pflegekasse die sogenannte Kurzzeitpflege für bis zu acht Wochen pro Jahr. Wird beispielsweise das Haus gerade behindertengerecht umgebaut, besteht nach einem Krankenhausaufenthalt und/oder Unfall für eine Weile intensiverer Pflegebedarf, oder benötigen Sie als pflegender Familienangehöriger einfach mal eine Auszeit? All dies sind legitime Gründe, die Kurzzeitpflege in einer entsprechenden Einrichtung in Anspruch zu nehmen.

Unterschied zwischen Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Während bei der Kurzzeitpflege die Betreuung in einer von den Pflegekassen zu diesem Zweck zugelassenen vollstationären Pflegeeinrichtung erbracht wird, kann die Verhinderungspflege auch im privaten Rahmen, zum Beispiel im eigenen Zuhause, geleistet werden.

Ab dem Pflegegrad 2 besteht ein Anspruch auf sechs Wochen (42 Tage) Verhinderungspflege pro Kalenderjahr. Werden diese Ansprüche nicht wahrgenommen, können die Mittel stattdessen für die Kurzzeitpflege aufgewendet werden, so dass für die verlängerte Pflege in einer stationären Einrichtung insgesamt 3.224 Euro pro Jahr zur Verfügung stehen.

Im Umkehrschluss können ungenutzte Kurzzeit-Pflegekontingente auch für die Verhinderungspflege verwendet werden. Allerdings wird hier nur der halbe Betrag aus der Kurzzeitpflege angesetzt, wodurch sich ein Höchstbetrag von 2.418 Euro pro Jahr für die Verhinderungspflege ergibt. Außerdem ist die maximale Förderdauer der Übergangspflege im Eigenheim auf acht Wochen beschränkt.

Zusätzlich wird bei der Kurzzeitpflege das Pflegegeld bis zu vier Wochen lang in halber Höhe weiter ausgezahlt.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Kurzzeitpflege

  • ausschließlich in vollstationären Einrichtungen möglich

  • für Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5

  • von der Pflegekasse bis zu 8 Wochen/Jahr (=56 Tage) bezuschusst

  • Kosten bis zu 1.612 Euro werden übernommen

  • Höchstbetrag von 3.224 Euro in Kombination mit ungenutzten Leistungen aus der Verhinderungspflege möglich

  • zusätzlicher Anspruch auf Pflegegeld in halber Höhe für bis zu vier Wochen

Verhinderungspflege

  • im eigenen Zuhause möglich

  • für Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5

  • von der Pflegekasse bis zu 6 Wochen/Jahr (=42 Tage) bezuschusst

  • Kosten bis zu 1.612 Euro werden übernommen

  • Höchstbetrag von 2.418 Euro in Kombination mit ungenutzten Leistungen aus der Kurzzeitpflege möglich

Warum übernimmt die Pflegekasse nicht alle Kosten der Kurzzeitpflege?

Im Rahmen der stationären Pflege fallen Kosten für Unterbringung und Verpflegung sowie Pflegekosten an. Die Pflegekassen übernehmen derzeit ausschließlich die Pflegekosten, wohingegen die entstehenden Kosten für Unterbringung und Verpflegung vom Pflegebedürftigen oder dessen Angehörigen getragen werden müssen.

Hat Ihr pflegebedürftiger Angehöriger nur Pflegegrad 1, kann für die Kurzzeitpflege ausschließlich der monatliche Entlastungsbetrag von 125€ genutzt werden.

Tipp: Vergessen Sie nicht, sich bei Ihrem Steuerberater zu erkundigen, ob Sie die Kosten für Kurzzeitpflege steuerlich geltend gemacht können.

 

Sonderfall ohne Pflegegrad: Übergangspflege

Hat Ihr Angehöriger noch gar keinen Pflegegrad, kann die sogenannte Übergangspflege für bis zu 4 Wochen pro Kalenderjahr beantragt werden. Die Übergangspflege dient nicht der Entlastung von pflegenden Angehörigen, sondern Voraussetzung hierfür ist eine kurzfristig eintretende Pflegebedürftigkeit, zum Beispiel nach einem Unfall, und eine daraus entstehende Versorgungslücke. Die Kosten für die Übergangspflege trägt demnach auch die Krankenkasse, nicht Pflegekasse.

Noch ein Organisations-Tipp: Während der Schulferien sind die Plätze in Einrichtungen für die Kurzzeitpflege besonders gefragt. Mit frühzeitiger Planung und Anmeldung sichern Sie sich aber einen Platz für Ihren Angehörigen.

Kurzzeitpflege richtig beantragen

Die Leistungen der Kurzzeitpflege müssen vor Inanspruchnahme beantragt werden. Antragsformulare erhalten Sie von Ihrer Pflege-oder Krankenkasse, sofern bereits ein Pflegegrad vorliegt. Die Antragsstellung muss durch den Pflegebedürftigen selbst oder eine vertretungsberechtigte Person erfolgen. Die Pflegekasse oder der Sozialdienst eines Krankenhauses bzw. Pflegeheims hilft bei Fragen zum Antrag gern weiter.